Ganderkesee/Bookholzberg - „Der Bagger scharrt schon mit der Schaufel“, sagt Torben Schüttke. Lieber heute als morgen möchte der Geschäftsführer der Schüttke-Haus-Bau GmbH (Bookholzberg) im künftigen Ganderkeseer Neubaugebiet südlich der Oldenburger Straße loslegen, nur: Der Erschließungsvertrag mit der Gemeinde ist noch nicht unterschrieben. Schüttke hofft, dass dies noch im Januar passiert.
Viele Hoffnungen verbinden sich mit dem neuen Baugebiet südlich der Oldenburger Straße in Ganderkesee – aber auch einige Enttäuschungen. Zum Beispiel bei Jochen Rackebrandt und Hildegard Döpker: Die beiden Nachbarn wohnen am Matthias-Claudius-Weg und sind direkte Anrainer des Neubaugebietes. Beide hatten sich für Grundstücke interessiert, die direkt südlich an ihre jetzigen Grundstücke angrenzen, bekamen aber vom Bauträger mitgeteilt, dass diese Flächen schon anderen Kunden zugesagt seien. Allerdings wären sie, so sagen Rackebrandt und Döpker, ohnehin von ihren Kaufabsichten zurückgetreten, da die verlangten Quadratmeterpreise von 192 bis 208 Euro für sie zu hoch sind.
Mit Sorge blickt Jochen Rackebrandt außerdem auf das geschützte Biotop ganz im Südwesten des Neubaugebietes, das ebenfalls an sein Grundstück grenzt. Dort besteht ein überwiegend mit Weiden bewachsenes Sumpfgebiet, das erhalten bleiben soll. Der Anrainer hatte schon bei der öffentlichen Auslegung der Planunterlagen moniert, dass die Größe des Biotopes von einer Planung zur nächsten zunehmend geschrumpft sei. Die Breite sei zugunsten der Wohnbebauung zurückgenommen worden, kritisiert Rackebrandt und fordert zudem, dass der Baumbestand erhalten bleibt.
„Wir tun alles, damit der Charakter des Feuchtbiotopes erhalten bleibt“, sagte auf Nachfrage der NWZ Peter Meyer, Fachbereichsleiter Gemeindeentwicklung im Rathaus. Allerdings tragen seinen Angaben zufolge auch die Bäume dazu bei, dass das Sumpfgebiet in den Sommermonaten trockenfallen könne. Die Oberflächenentwässerung soll laut Meyer so gestaltet werden, dass eine Vernässung des Biotops gewährleistet bleibt. Zum Teil müssten aber wohl auch Bäume beseitigt werden. Ausreichend Abstand zwischen dem Biotop und der Wohnbebauung sieht der Fachbereichsleiter auch dadurch gegeben, dass die angrenzenden Grundstücke eher im Norden und Osten bebaut und nach Westen und Süden die Gärten angelegt würden. In ihrer Stellungnahme zu Rackebrandts Einwänden während der Beteiligungsphase stellt die Gemeinde überdies klar, dass sie die Belange der Wohnbebauung höher bewertet als die Schaffung einer Pufferzone zur geschützten Fläche.
Ein Kritikpunkt für Hildegard Döpker ist der geplante Kinderspielplatz im Nordwesten des Baugebietes. Der Bereich grenzt hier an einen vorhandenen, rund 30 Jahre alten Kinderspielplatz am Theodor-Storm-Weg. Dieser werde aber kaum noch von Kindern genutzt, gibt Döpker zu bedenken. Außerdem befinde sich der geplante neue Spielplatz sehr nah an der Oldenburger Straße und auch an einem westlich gelegenen Regenrückhaltebecken. Die Gemeinde hält indes „ein erhöhtes Gefahrenpotenzial am gewählten Standort“ nicht für gegeben.
Solange vertraglich nicht alles in trockenen Tüchern ist, kann der Erschließungsträger auch keine Grundstücke verkaufen. Aber Reservierungen sind schon möglich – und deren Anzahl ist ein Beleg für den immensen Bedarf an Bauland in der Gemeinde: „Nur fünf von 52 Grundstücken sind noch nicht reserviert“, so Schüttke. Die große Nachfrage wird offenbar auch nicht von den relativ hohen Grundstückspreisen getrübt: Zwischen 192 und 208 Euro wird die Bauherren der Quadratmeter kosten – „voll erschlossen“, so Schüttke.
Um einiges günstiger sind demnächst Baugrundstücke in Bookholzberg zu haben, wo das zweite große Neubaugebiet in der Gemeinde vor der Umsetzung steht: Im Bereich „Bargup“ kalkuliert die Hafemann Bauträger GmbH mit Preisen von 135 bis 145 Euro pro Quadratmeter. Auch hier kann aber noch kein Bauland verkauft werden, wie in Ganderkesee fehlt noch die Unterschrift unter dem Erschließungsvertrag. Geschäftsführer Heiko Hafemann hat aber schon mit ersten Vorarbeiten begonnen, etwa für den Schallschutzwall an der Bahnlinie.
Mit dem endgültigen Baustart rechnet Hafemann spätestens bis Ende Februar. Auch bei ihm stehen die Interessenten Schlange: „30 bis 40 sind es immer, aber da ist auch viel Bewegung drin“, sagt der Bookholzberger.
Einen Teil des Baugebietes Bargup vermarktet die WFT Grundstücks GmbH und Co. KG (Hude). Von deren 24 Grundstücken sei die Hälfte vergeben, berichtet Geschäftsführer Oliver Fleddermann. Auch er wartet noch auf den Vertragsabschluss mit der Gemeinde, rechnet aber in Kürze damit.
