GANDERKESEE/BOOKHOLZBERG - Otto Sackmann (UWG) sah in den „bisher nie dagewesene 100 Seiten Einwendungen zu einem Baugebiet“ ein Zeichen für dessen Brisanz. Hans-H. Hubmann (CDU) indes genau darin ein Beleg für die gründlichen Befassung der Verwaltung mit dem „Bebauungsplan 214, (Hutfilterstraße/Vollersweg). So unterschiedlich wie die Politiker sahen auch viele der rund 70 Bürger das Problem.
Dabei waren die Argumente die alten, die Haltungen ebenfalls. Ob Marlies Drygalla, die in der Einwohnerfragestunde veraltete Verkehrszählungen kritisierte, ob Roland Junge, der eine fehlerhafte Gewichtung der örtlichen Gegebenheiten beklagte, oder ob Heinz Ohlenbusch, der prophezeite, dass der Verkehr auch auf der Hutfilterstraße stark zunehmen werde, „weil die Autos gar nicht auf die Nutzhorner Straße kommen“. Sie alle konnten die Ausschussmehrheit von SPD und CDU nicht umstimmen. Mit neun Ja-Stimmen folgten die Fraktionen der Vorlage der Verwaltung: Demnach wird das Neubaugebiet über den Vollersweg und die Hutfilterstraße an den Verkehr angebunden, jeweils vier der gut 40 Grundstücke werden über die Straßen Am Wiesenrand und Fliederweg angebunden. Daran vermochte selbst die Anwesenheit des Fernsehens nichts ändern. Das ZDF drehte für einen Beitrag des Magazins „Wiso“ im
Rathaus.
Genau in diesem Vorschlag, über den der Rat am 21. Februar befindet, sehen die Anwohner von Vollersweg und Hutfilterstraße eine Ungerechtigkeit. Sie sehen den Vollersweg – anders als die Harmenhauser Straße – nicht als Sammelstraße und somit nicht in der Lage, den Mehrverkehr von rund 300 Fahrzeugen pro Tag aufzunehmen. Sie warfen der Gemeinde vor, mit alten Zahlen zu arbeiten. Und sie mutmaßten erneut, dass in den Sackgassen wohnende Ratsherren aus Privatinteresse für diese Lösung gestimmt hätten. Ein Vorwurf, gegen den sich der Vorsitzende Heinz-Peter Häger und Fachbereichsleiter Peter Meyer gleichermaßen verwahrten.
Meyer betonte, die Verwaltung habe alle Einwendungen bewertet. Der Vorschlag sei „eine logische Weiterentwicklung“, Verkehr aus Wohngebieten über möglichst kurze verkehrsberuhigte Straßen abzuleiten. Das sei auch der Grund, warum Am Wiesenrand und Fliederstraße nicht noch weiter verlängert werden dürften. Auch seien Kindergarten und Behindertenwohnheim am Vollersweg mitbewertet worden. Somit halte der Entwurf einer fachlichen Überprüfung stand. Meyer: „Aufgabe der Bauleitplanung ist nicht in allen Fällen eine Gleichbehandlung. Ihre Aufgabe ist es, Interessen aller Betroffenen zu berücksichtigen.“
Das Thema abfließender Verkehr ist indes noch nicht abgeschlossen. Meyer: „Wir werden uns sicher noch mal mit der Hutfilterstraße beschäftigen.“
