GANDERKESEE/BOOKHOLZBERG - Der Jahreswechsel liegt hinter uns, die Wirtschaftskrise, ist aber noch nicht überwunden. Für das neue Jahr ist ein Aufschwung vorausgesagt, doch wie sehen die Unternehmer die Lage? Die NWZ fragte bei großen Betrieben in der Gemeinde Ganderkesee nach.

„Unser Auftragsbuch für das erste Quartal ist voll“, so Achim Alles, Chef der Terex-Standorte im Norden Deutschlands. Ab Mitte Januar sollen die Maschinen wieder laufen. Dennoch: Bis Ende März ist Kurzarbeit genehmigt, bis Ende des Jahres hat Terex Kurzarbeit angemeldet – die Genehmigung steht noch aus. Grund: „Wir müssen Kapazitätsüberhänge ausgleichen“, so Achim Alles. Heißt: Es könnte noch mehr produziert werden. Entlassungen seien nicht geplant.

So sieht es auch bei MBB Palfinger aus. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Fritz-Wilhelm Krüger, sagt: „Kurzarbeit ist für das ganze Jahr geplant, Entlassungen keine.“ Nach derzeitigem Stand rechnet die Konzernleitung mit einer Belebung im vierten Quartal des Jahres.

„2010 wird gut“

Meyer-Technik-Geschäftsführerin Miriam Rudnitzki blickt positiv in die Zukunft. „Wir hatten ein außergewöhnlich gutes Jahr 2009, und ich gehe davon aus, dass 2010 ähnlich gut, wenn nicht sogar besser wird.“ Meyer Technik sei für Unternehmen aus verschiedenen Branchen tätig – das macht die Firma weniger anfällig für Krisen, so die Geschäftsführerin: „Es ist wichtig, mehrere Standbeine zu haben, wenn eines hängt, dann fällt man nicht gleich um.“ Außerdem sagt Miriam Rudnitzki: „Wir tun immer mehr im Bereich der erneuerbaren Energien, haben Stammkunden und eine sehr engagierte Belegschaft, das ist entscheidend für unseren Erfolg.“


Baubranche in der Krise

Beim Kalksandsteinwerk in Bookholzberg sieht die Lage nicht ganz so rosig aus: Geschäftsführer Johann Weerts: „Wir hatten in den letzten Jahren sinkende Absatzzahlen. Die Bilanz für 2009 ist noch nicht fertig, aber es hat sich nicht gebessert.“ Ähnlich sieht er die Lage für 2010. Zwar sei der Stillstand der Produktion jahreszeitbedingt, doch viele Bauherren warten ab, sagt Weerts. „Die Wirtschaftskrise und die schlechte Lage am Arbeitsmarkt sind nicht förderlich“, beschreibt Weerts. Noch werde die Belegschaft gehalten, in den Wintermonaten wird beim Kalksandsteinwerk Urlaub abgebaut und es werden Reparaturen erledigt. Falls sich die Lage in den kommenden Monaten jedoch nicht bessere, könne das Unternehmen kurzfristig reagieren, sagt Weerts.

Das muss das Logistikunternehmen Borchers nicht mehr. „Die Reißleine wurde gezogen, jetzt geht es bergauf“, so Leiter Christoph Mengel. Heißt: In der nächsten Woche wird das Insolvenzverfahren eröffnet, die bestehende Gesellschaft in eine neue überführt. Die ausstehenden Gehälter gibt es Mitte Januar. „Die kommen von der Insolvenzausfallkasse“, erklärt Mengel. „Es sind gut 80 Prozent der Fahrzeuge im Einsatz, in der nächsten Woche wohl alle“, so Mengel. Gehaltseinbußen oder gar Kündigungen haben die Mitarbeiter in Ganderkesee nicht zu befürchten. Mengel verspricht: „Es bleibt alles beim alten.“

Vorsichtiger Optimismus

Starofit-Geschäftsführer Jürgen Schulze guckt vorsichtig optimistisch in die Zukunft: „Wir erwarten, dass 2010 ähnlich wie 2009 wird, eine Belebung sehen wir erst für 2011.“ Die schlechteren Zeiten nutzt das Unternehmen für die Qualifizierung. „Wenn der Aufschwung kommt, dann werden wir gut aufgestellt sein. Kurzarbeit oder Entlassungen sind absolut kein Thema“, so Schulze.