GANDERKESEE/BREMEN - Im Museum gibt es richtige Kaffee-Experten. Die Schüler erfuhren eine Menge Wissenswertes über die braunen Bohnen.
von Ricarda Schlegel, Helene Deibel, Friederike Thielhelm, Giselle Ucar und Kerstin Hülsen
GANDERKESEE/BREMEN - Eigentlich war der Tag völlig anders geplant. Wir, die Klasse 10 C des Gymnasiums Ganderkesee wollten im Rahmen des Projektes „Umwelt baut Brücken“ zusammen mit unserer polnischen Partnergruppe aus Lodz ein neues, emissionsarmes Kaffeeröstverfahren bei der Firma Neuhaus Neotec in Ganderkesee kennenlernen. Schließlich wird die Firma wegen dieses Projektes durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.Doch dann kam alles ganz anders. „Leider haben wir nicht die Möglichkeit, einer so großen Schülergruppe unseren neuen Kaffeeröster zu zeigen", so Neotec. So kam ein Vertreter der Firma zu uns in die Schule und referierte über Kaffeeröstung. Danach begaben wir uns nach Bremen, wo es im Überseemuseum nicht nur klassische Röstmaschinen zu bestaunen gibt, sondern auch echte Kaffeeexperten, die diese Maschinen in den kleinsten Details vorführen.
Mit den Informationen des Vormittags gerüstet, konnten wir so wirklich eine Menge über die kleinen, erst grünen, dann roten und zum Schluss braunen Bohnen lernen. Normalerweise röstet man die grünen Bohnen mehrerer gemischter Sorten, um Geschmacksrichtungen, Aromen und Düfte herzustellen, die bei Kaffeetrinkern beliebt sind. „In Europa gibt es ein Nord-Süd-Gefälle bei der Beliebtheit bestimmter Kaffeesorten und der Röstverfahren“, erläuterte unser Experte im Museum, ein im Ruhestand lebender Röstmeister, der das Handwerk von der Pike auf gelernt hat und bei den großen Bremer Röstfirmen tätig war.
In der Regel erhitzt man die Bohnen in rotierenden, waagrechten Trommeln, welche die Bohnen außerdem schütteln, damit sie nicht ungleichmäßig erhitzt oder gar verbrannt werden. Die Rösttemperaturen schwanken von 193 °C (leicht gerösteter Kaffee) über 205 °C (mittelstark geröstet) bis zu 218 °C (dunkel geröstet). Dabei bevorzugt man im Norden Europas eher leicht bis mittelstark geröstete Bohnen, nach Süden her liebt man es eher kräftiger, d.h. mit höherer Temperatur gerösteten Kaffee. Dies konnten wir auch aus unseren eigenen Reiseerfahrungen bestätigen.
Die gerösteten Bohnen lässt man schnell abkühlen. Der Kaffee kann dann verpackt und an Läden ausgeliefert werden, wo er für den Endverbraucher gemahlen wird. Oder der Kaffee wird bereits vor der Auslieferung in Walzmühlen gemahlen.
Gemahlener Kaffee verliert innerhalb einer Woche sein Aroma, wenn er nicht speziell verpackt wird. Verbundstoffe aus Kunststoff und Papier sind bevorzugte Verpackungsmaterialien, die frisch geröstetem und gemahlenem Kaffee Schutz bieten. Hermetisch verschlossene Vakuumverpackungen können das Aroma bis zu drei Jahre bewahren.
Bevor wir das Museum verließen, bekamen wir noch einen guten Rat des Kenners mit auf den Weg: „Ist eine solche Vakuumverpackung erst einmal geöffnet, sollte man sie oder den Behälter, in dem man den Kaffee aufbewahrt, in den Kühlschrank stellen. Dann hält sich das Aroma besser.“
Einige mussten hier unwillkürlich an ihre Großmütter denken. Die machen das seit Jahr und Tag genau so. Jetzt wissen wir auch, warum.
