GANDERKESEE - Den Ganderkeseer Ortskern gilt es zu stärken, die Aufenthaltsqualität muss gesteigert werden – in diesem Punkt waren sich alle Beteiligten am Dienstagabend im Rathaussaal einig. Dorthin hatte die CDU-Fraktion zum „Forum Einzelhandel“ geladen, und rund 40 Teilnehmer, die meisten Gewerbetreibende, waren der Einladung gefolgt.

Angeregt von den Erweiterungsplänen einiger Verbrauchermärkte wie Inkoop, Aldi und Famila sowie der Raiffeisen-Warengenossenschaft, wollten die CDU-Politiker um Fraktionschef Dietmar Mietrach, ihren Vorsitzenden Hans H. Hubmann sowie Ratsfrau Cindy Klüner von den Einzelhändlern des Ortes wissen, wo der Schuh drückt. „Es stehen auch im Gemeinderat in dieser Frage wichtige Entscheidungen an, und deshalb wollen wir uns bei ihnen rechtzeitig informieren“, sagte Mietrach, der zu Beginn einen Fragenkatalog seiner Fraktion an die Gemeindeverwaltung vorstellte. „Wir fragen darin beispielsweise, welche Sortimente nach den Erweiterungen geplant sind, was auf den Altflächen passieren soll, ob ein Verkehrskonzept vorgesehen ist und wie die örtliche Geschäftswelt eingebunden werden soll“, zählte Mietrach auf. Er präsentierte den Teilnehmern zudem Zahlen, nach denen sich die Verkaufsfläche in Ganderkesee durch die genannten Erweiterungspläne von rund 6400 auf 16 000 Quadratmeter erhöhen würde.

„Ob der Ort das vertragen kann, ist eine weitere Frage an die Verwaltung“, so Mietrach.

„Der Verdrängungswettbewerb, in dem die großen Unternehmen leben, kommt jetzt auch nach Ganderkesee“, schätzte Geschäftsfrau Monika Drieling die Situation ein, „und wir müssen uns fragen, ob wir so etwas hier haben wollen.“ Der beste Schutz gegen solch eine Entwicklung sei, so Drieling, den Ortskern zu stärken und dessen Potenzial voll auszuschöpfen. „Wir reden seit 20 Jahren darüber, auf dem Marktplatz die Flächen zu tauschen – das muss jetzt endlich umgesetzt werden.“ Und auch der Kirchvorplatz biete sich an, um die Aufenthaltsqualität zu steigern.

Gustav Förster, neuer Vorsitzender der Werbegemeinschaft Ganderkesee, bezeichnete die Einzelhandelsstruktur vor Ort als „derzeit noch intakt“, warnte aber ebenfalls vor einer Konzentration auf die „großen Ketten“. Sein Hinweis: „Die rechnen nicht, da geht es mehr darum, die Plätze mit viel Fläche zu besetzen, bevor ein Konkurrent in den Ort kommt.“ Und ohne ein Verkehrskonzept könnten die geplanten Erweiterungen auch nicht laufen, so Förster. „Die Kundenbindung im Lebensmittelsektor ist hier sehr hoch. Wer sich erweitert, zielt auf auswärtige Kundschaft ab.“


Als „eher unattraktiv“ bezeichnete Günter Melle hingegen die Struktur des örtlichen Einzelhandels: „Wir dürfen uns das nicht schönreden“, sagte er, „wir haben Probleme, die Leerstände mit attraktiven Anbietern zu füllen.“

Manfred Neugebauer, ebenfalls im Vorstand der Werbegemeinschaft, wies auf bereits vorliegende Konzepte hin, über die die Gemeinde verfüge: „Vor Jahren haben wir hier schon einmal mit viel Aufwand und Zeit Ergebnisse erarbeitet, die bis heute in den Schubladen liegen.“ Dazu zählten Ideen, wie die Schaffung eines Fußgängerüberganges zum Festplatz in Höhe des Bahnhofes sowie weitere Parkflächen zwischen Bahn und Wittekindstraße. „Alle Beteiligten müssen jetzt an einen Tisch“, forderte Neugebauer abschließend.