GANDERKESEE - An der Adelheider Straße wird seit einigen Tagen kräftig gebuddelt: Sichtbare Konsequenz der Entscheidung, das Freibad inklusive neuer Sauna energetisch mit Biogas beliefern zu lassen. Auch das Schulzentrum am Steinacker wird künftig mit Biogas versorgt, ebenso das benachbarte Hallenbad. Und beim Neubau der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) an der Westtangente stehen die Zeichen ebenfalls auf regenerative Energien. Solarnutzung scheidet wegen hoher Bäume auf dem südlichen Nachbargrundstück aus. Die Prüfung, ob Biogas tatsächlich zum Zuge kommt, sei aber noch nicht abgeschlossen, heißt es dazu im Kreishaus.
Angesichts solcher Großprojekte scheint die Idee einer Biogas-Ringleitung rund um den Ganderkeseer Ortskern, die Arnd Schwarting von der Biogas Welsetal GmbH bereits vor einigen Jahren ins Gespräch gebracht hatte, nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch Schwarting gibt sich inzwischen zurückhaltend. Die Planung sei zwar noch immer nicht vom Tisch, aber aktuell gebe es keine intensiven Bestrebungen, sie in die Realität umzusetzen.
Seitens der Gemeinde gibt es kein gesteigertes Interesse an diesem Projekt. Schwarting habe seinerzeit bereits „sehr weit in die Zukunft geschaut“, meinte der für Gemeindeentwicklung zuständige Fachbereichsleiter Peter Meyer auf Nachfrage. Die Verwaltung verhalte sich in dieser Frage „indifferent“. Wenn ein Antrag vorliege, auf öffentlichem Grund eine entsprechende Leitung zu verlegen, sei dem – gegen Gebühr – stattzugeben. Dem neuen Gemeinderat liege aber bereits ein Antrag vor, Biogas grundsätzlich einzuschränken.
Für Arnd Schwarting ist das derzeit am Freibad realisierte Konzept aber die Zukunft: Biogas wird auf Erdgasqualität veredelt und dann zu Blockheizkraftwerken geliefert, die vor Ort Strom und Wärme erzeugen. Durch die jüngste Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) habe sich das Konzept der klassischen Biogasanlage auf dem Bauernhof faktisch erledigt, was neue Projekte angehe. Der Gesetzgeber unterstütze die Entwicklung zu größeren Anlagen, resümierte Schwarting am Montag im Gespräch mit derNWZ
. Außerdem müsse für Neubauten ab 2012 eine Mindestverwertung der erzeugten Wärme nachgewiesen werden.Die Vergütungssätze für den erzeugten Strom variierten künftig nach den Stoffen, mit denen die Biogasanlage „gefüttert“ wird. Das erschwere die betriebswirtschaftliche Kalkulation erheblich. Außerdem sollen sich die Produzenten stärker den Marktmechanismen unterwerfen. „Es wird alles komplizierter.“
Alles in allem eröffne das neue EEG aber mehr Chancen als Nachteile, unterstrich Schwarting. „Der Markt für Biogas wird größer“, ist der Ganderkeseer Produzent, der inzwischen zwei Anlagen betreibt, überzeugt. Für Wachstum würden allein schon die Energiepreise sorgen. „Dass sie steigen, ist sicher.“
