GANDERKESEE - Das „Ob“ scheint keine Frage mehr: Eine Entlastungsstraße für Delmenhorst wird wohl gebaut, wenn die B 212neu fertiggestellt ist. Das „Wo“ ist jetzt vielmehr die Frage: Sechs Trassen werden derzeit geprüft – zwei verlaufen östlich von Delmenhorst, vier im Westen der Stadt auf Ganderkeseer Gebiet.
„Das ist noch keine detaillierte Untersuchung, sondern eine Grobanalyse“, verdeutlicht Theodor Bley, stellvertretender Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg. Für die möglichen Trassenverläufe seien Korridore festgelegt worden. Zurzeit laufe die verkehrliche Untersuchung, danach werde eine Raumanalyse vorgenommen. Dabei wolle man auch feststellen, so Bley, „wo es Flächen gibt, die eine Planung erschweren.“
Diejenigen Trassen, die nach der groben Prüfung in Frage kommen, sollen den beiden betroffenen Kommunen Delmenhorst und Ganderkesee vorgestellt werden, möglichst noch in diesem Jahr. Anfang 2012 könnten dann die Grundlagen für ein Raumordnungsverfahren geschaffen werden.
Details nicht öffentlich
Details zu den Trassenverläufen wollte Theodor Bley öffentlich noch nicht nennen. Bei einer Veranstaltung mit dem Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), war Anfang vergangener Woche in Schierbrok von Anliegern die Befürchtung geäußert worden, dass auch die Bahnhofstraße als Entlastungsachse in Frage komme. Wenn dort – wie von vielen gewünscht – der derzeit niveaugleiche Bahnübergang durch ein Tunnel- oder Brückenbauwerk ersetzt würde, wäre ein wesentliches Hemmnis für einen zügigen Verkehrsfluss beseitigt. Ferlemann hatte diese Sorgen nicht weiter kommentiert, jedoch darauf hingewiesen, dass es bei einer Kreisstraße wie der Bahnhofstraße „rechtlich schwierig“ werden könnte, sich gegen eine Entlastungsfunktion zu wehren. Bei einer Gemeindestraße sei dies einfacher.
Diese Aussage des Staatssekretärs könnte man als Warnung verstehen. Frank Eger zum Beispiel tut das durchaus: „Man darf diese Risiken nicht verschweigen“, warnt der Landrat im Gespräch mit derNWZ
. Für ihn ist die Frage der Bahnquerung in Schierbrok „nicht nur ein örtliches Problem“. Das habe er auch den Mitgliedern des Kreisausschusses gesagt.Die Bestrebungen, den höhengleichen Bahnübergang zu beseitigen, kann Eger nachvollziehen: „Eine Trennung des Ortes durch die Bahnlinie wie in Schierbrok haben wir kaum woanders“, das sieht er auch. Und die Güterzüge, die demnächst zum Jade-Weser-Port rollen, bedeuten zusätzliche Schrankenschließzeiten. Dennoch müsse die Frage gestellt werden, „ob wir nicht eines Tages die Pest durch die Cholera austauschen“.
„Bürger befragen“
Der Landrat rät daher zu einer Bürgerbefragung: Ob ein Tunnel oder eine Brücke gebaut wird oder besser nicht, darüber muss der Bürger mitentscheiden.“
