GANDERKESEE - Es ist das bestgehütete Geheimnis der Gemeinde. Eine vorzeitige Bekanntgabe würde an Hochverrat grenzen. Noch nie ist es in der 61-jährigen Geschichte des Ganderkeseer Faschings vorgekommen, dass eine Prinzessin ausgeplaudert hätte, welche Farbe ihr Kostüm hat, geschweige denn welchen Schnitt. Und weil das so ist, hält sich natürlich auch Faschingsprinzessin Jana I. an diese stillschweigende Abmachung. Dass sie trotzdem mit einer himmelblauen Robe, deren eine Hälfte aus einem floralen Print, die andere aus einem Karomuster besteht, vor der Kamera posiert, hat nichts zu bedeuten: Hierbei handelt es sich um einen Rohling, den Schneiderin Sonja Fröhlich aus alten Stofffetzen angefertigt hat. Schon Berufs wegen gehört diese zum Team der Eingeweihten. „Ich bin ganz schön nervös“, räumt die 34-Jährige ein. Was auch nicht weiter verwunderlich ist: Mit dem Nähen der Prinzengarderobe plus der vier Kleider der Ehrendamen gibt die studierte Modedesignerin in diesem Jahr ihren Einstand beim Fasching um den Ring. Sonja Fröhlich weiß: Was sie entwirft, muss sich an den Festtagen vielen kritischen Blicken unterziehen. Man kann bejubelt werden, aber auch tief fallen. Erfolg und Niederlage liegen bei solch einem Ausnahmeprojekt nah beieinander.

Prinz Volker I. ist sich aber schon jetzt sicher: „Ich glaube, wir können mit gutem Gefühl sagen, dass wir etwas tragen, dass es in dieser Form noch nicht gegeben hat.“ Etwas konkreter wird die Prinzessin: „Wir wollen die Tradition beibehalten, aber auch neue Akzente setzen.“

Feste Regeln, wie ein Kleid auszusehen hat, existieren von Vereinsseite nicht. Man sei aber gut beraten, sich an gewisse Vorgaben zu halten. Das betreffe etwa den Ausschnitt und die Länge des Kleids, aber auch die Farbe. „Ungünstig wäre es, die Farben des vergangenen Jahres zu wählen“, erklärt Jana Westermann. Damals hatte die amtierende Faschingsprinzessin eine Robe in Braun-Gold mit Tausenden kleiner Svarovskisteinen getragen. Weiteres Kriterium ist die Bühnendeko bei den Büttenabenden. „Es sollte schon alles miteinander harmonieren. Andernfalls schmälert das schnell den Spaßfaktor“, sagt der Prinz.

Deutlich wird auch so: Vieles will beachtet sein, beim Schneidern eines noch nie dagewesenes Kleids. Individuell darf es sein, aber bitte nicht zu flippig. Für die Schneiderin eine ganz schöne Herausforderung: „Gott-sei-Dank war ich nicht alleine. Meine Vorgängerin Bärbel Lüdeke stand mir mit Rat und Tat zur Seite“, erzählt Sonja Fröhlich. Die Stunden, die sie mit Nähen zubringt, hat sie bereits aufgehört zu zählen. Rund sechs Wochen – angefangen beim Maßnehmen bis zur Anprobe – hat sie für die sechs Faschingskostüme gebraucht. Läuft alles gut, findet am Sonntag die letzte Anprobe statt. Danach werden die Kleider mit nach Hause genommen – natürlich gut verhüllt in Kleidersäcken, damit nichts nach außen dringt. Und Sonja Fröhlich? Die hat dann ihre Arbeit für dieses Jahr erledigt. Die Nervösität wird allerdings bleiben, zumindest bis zum ersten Büttenabend. „Da werde ich ebenfalls anwesend sein und schauen, wie die Reaktionen ausfallen.“