GANDERKESEE - Das Urteil ist einhellig: „Es reicht! Wir brauchen keine zusätzlichen Biogasanlagen in der Region. So wie es ist, ist es gut.“ Ganderkesees Lebensmittel produzierende Landwirte sind aufgebracht. Dass nicht alles Bio ist, nur weil Bio drauf steht – diese leidvolle Erfahrung haben sie verstärkt in den letzten Jahren machen müssen. Sie befürchten, dass ihnen weiterer Zuwachs an Biogasanlagen in der Region die Existenzgrundlage nimmt. „Wenn das so weitergeht, dann bleibt nur noch einer von drei Landwirten übrig“, zeichnen sie ein wenig hoffnungsfrohes Zukunftsbild.
Flächenkonkurrenz
Zum Hintergrund: Auch die Politik hat das Thema Biogasanlage auf den Plan gerufen. Die FDP-Ortsverbandsvorsitzende Marion Daniel erklärte auf einer Mitgliederversammlung am Montagabend im Schützenhof, dass der Besuch der Firma Biogas Welsetal in Bookhorn am 15. Juli eine Diskussion entfacht habe, die den Ortsverband dazu animierte, sich Gedanken über den zukünftigen Umgang mit Biogasanlagen zu machen. Rund 40 Interessierte, überwiegend Landwirte, folgten der Einladung zur Versammlung. Mit dabei war auch FDP-Fraktionschef Christian Dürr (MdL).
Als Problem bewerteten es die anwesenden Landwirte, dass die für die Biogasanlagen benötigten Maisanbauflächen der traditionellen Landwirtschaft entzogen werden. „Daran gibt es nichts zu beschönigen: Die Flächenkonkurrenz im Landkreis Oldenburg ist eindeutig vorhanden“ , äußerte sich ein Landwirt zu der Thematik.
Biogas-Welsetal-Geschäftsführer Arnd Schwarting versuchte die Wogen zu glätten: „Die Erweiterungspläne sehen auch andere Produkte wie zum Beispiel Gras und Gülle vor.“ Daraufhin kontern die Biogasanlagen-Gegner, dass die Grasschnittverarbeitung auf Kosten der Rinderhaltung gehe. Schwartings Argument, Biogas effizienter zu nutzen, überzeugt sie nicht.
Die Diskussionsrunde zeigte: Die Fronten zwischen Biogasanlagen-Befürwortern und ihren Kritikern, zumeist klassischen Landwirten, sind verhärtet. Die Äußerungen des Investors, dass viele Flächen in Richtung Bookholzberg brach liegen würden, sorgen für Unmut bei den Landwirten: „In den letzten 24 Monaten sind ausschließlich Pachtverträge für Biogasanlagen herausgegangen.“
Keine Gesetzesänderung
Dass sich die Bundesregierung der Problematik annehme, sei gegenwärtig nicht zu erwarten, stellte Christian Dürr klar: „Vor 2012 wird sich die Politik sicher nicht an die Erneuerbare-Energien-Gesetzgebung heranwagen.“
Ganderkesees Landwirte hoffen daher auf kommunale Unterstützung: „Die Gemeinde hat doch wohl das Recht, wenn zum Beispiel Zu- und Abfahrtswege nicht den Bestimmungen entsprechen, den Bau einer Biogasanlage zu verbieten“, sagte Werner Wachtendorf.
Wenig Hoffnung macht die Ortsverbandsvorsitzende den Landwirten: „Es wäre schön, wenn beide Seiten – Betreiber von Biogasanlagen und klassische Landwirte – in Zukunft koexistieren könnten.“ Aber auch Marion Daniel räumt ein: „Ich bin genauso ratlos wie sie.“
