GANDERKESEE - Prominente fliegen auf Ganderkesee: Otto Waalkes, Karl Dall, Michael Stich und die Kölner Kultrocker BAP waren schon mit ihren Flugzeugen auf dem Atlas Airfield. Der Flugplatz ist der erste hinter der Küste, auf dem Piloten ihre Maschinen auftanken können.
Hier, im Tower des Platzes, arbeitet Annette Zoschke nebenberuflich als Flugleiterin. Sie gibt Informationen an die startenden und landenden Piloten weiter. „Nur Informationen, das unterscheidet uns von den Fluglotsen“, erklärt sie. „Wir haben weder ein Radargerät, noch müssen wir eine Staffelung der Maschinen vornehmen, wie es an großen Verkehrsflughäfen der Fall ist.“ Lächelnd fügt die gelernte Berufsschullehrerin an: „Schließlich ist der Ganderkeseer Flugplatz recht klein und an manchen Tagen, an denen schlechtes Wetter ist, starten fast keine Maschinen, so wie heute.“
Das Atlas Airfield hat nur eine Landebahn, die von Westen nach Osten verläuft. Sie wird fast immer von Osten gegen den Westwind angeflogen, um diesen zum Abbremsen zu nutzen, erklärt Zoschke. 836 Meter in der Länge und 22 Meter in der Breite misst die Ganderkeseer Landebahn aus Asphalt.
Um hier zu landen, drehen die Piloten eine Platzrunde in etwa 300 Meter Höhe, entweder im Norden, zwischen Bookhorn, Grüppenbühren und Steinkimmen, oder südlich zwischen Ganderkesee, Immer und Bergedorf. Währenddessen, aber auch schon zuvor, kommunizieren sie mit dem Towerpersonal. Auf der Frequenz von 118.625 Megahertz gibt Annette Zoschke den Piloten dann die nötigen Auskünfte über die Windverhältnisse, den Luftdruck und den Zustand der Landebahn. Die genaue Vorgehensweise bei der Kommunikation, aber auch der Aufbau, die typischen Frequenzen und Koordinaten aller Flughäfen sind im Luftfahrthandbuch aufgeführt: „Es ist die Bibel für Piloten und Lotsen, die in jedem Tower der Welt steht.“
In Ganderkesee können Maschinen bis zu einem Gewicht von maximal 5,7 Tonnen starten und landen. Dazu zählen mehrmotorige Flugzeuge, während Großraumflugzeuge nur mit einer absoluten Sondergenehmigung zugelassen sind. Dennoch kann der gesamte Luftverkehr rund um Ganderkesee bis Bremen mit einem Peilsender beobachtet werden. „Das wird aber normalerweise nicht gemacht, da nur die Maschinen interessant sind, die auch hier landen“, erläutert Zoschke. Mit Hilfe des Peilsender teilt der Flugleiter dem Piloten mit, wo er sich befindet. Er kann ihn jedoch nicht so gut beim Anflug unterstützen, wie es Fluglotsen können, da ein Instrumentenlandesystem mit genauen Wetter-, Druck- und Höhendaten fehlt, berichtet sie. „Die Arbeit der Flugleiter ist damit unverbindlich.“
Dementsprechend einfacher ist ihre Ausbildung. Einzige Voraussetzung ist ein Sprechfunkzeugnis in Englisch und Deutsch, dass zur Ausführung des Flugfunks berechtigt. Das könne in einem vierwöchigen Kursus abgelegt werden. Zoschke: „Technisches Verständnis und ein paar EDV-Kenntnisse sind auch nicht verkehrt.“ Die Ganderkeseer Flugleiter haben zudem alle einen Flugschein. Sie üben ihre Tätigkeit nebenbei aus. „Wir haben Studenten, Rentner und gelernte Berufsschullehrerinnen wie mich dabei“, berichtet sie schmunzelnd.
