Ganderkesee - Der kleine Satz „wir machen das“ war ausschlaggebend dafür, dass in Ganderkesee ein Flugplatz entstand. So beschrieb es Jochen Weyhausen-Sauer am Sonnabend beim Empfang zum 50-jährigen Bestehen.
Mit einer Präsentation des früheren Reiseveranstalters Reiner Meutsch wurde der Flugplatz-Geburtstag am Abend gefeiert. Per Flugzeug hat er die Welt umrundet und 77 Länder bereist. Mit seiner Organisation „Fly & Help“ baut Meutsch Schulen in Ländern der dritten Welt. „In neun Jahren haben wir 342 Schulen für 70 000 Kinder gegründet“, sagte er.
Denn mit dem Satz sagte der damalige Atlas-Chef Helmut Weyhausen zu, in das Flugplatz-Projekt zu investieren, und zwar genau vor 50 Jahren. „Dieser 22. Juni 1969 gilt nun und für alle Zeiten als das Geburtsdatum für den Verkehrslandeplatz Ganderkesee“, berichtete Weyhausen-Sauer den zahlreichen Gästen aus Luftfahrt, Wirtschaft, Verwaltung und Politik im Airfield-Hotel. Der 83-Jährige, der damals das Ganderkeseer Atlas-Werk leitete, trieb die Gründung des Flugplatzes voran: „Ich hatte viel mit Kunden im In- und Ausland zutun“, sagte er. Doch das Reisen dauerte lange. Über einen Geschäftskontakt in der Schweiz kam Weyhausen-Sauer auf das Fliegen. „Ich meldete mich im Bremer Verein für Luftfahrt an“, berichtete er. 1966 habe er seinen Flugschein gemacht.
Als das Land Bremen dann ankündigte, dass die Sportluftfahrt den Flughafen Bremen verlassen müsse, sah Weyhausen-Sauer die Chance für einen Flugplatz in Ganderkesee gekommen. Da damals in der Kneipe Politik gemacht worden sei, habe er bereits gewusst, dass der frühere Gemeindedirektor Heinz Huhs und Bürgermeister Georg von Seggern das Vorhaben unterstützten. Befördert wurden die Pläne auch, weil man in Ganderkesee nicht zulassen wollte, dass Oldenburg-Hatten einen Flugplatz bekommt. Der Rat sprach sich einstimmig für den Flugplatz aus: „Es gab viele Argumente, warum es Ganderkesee sein musste.“
Bei der Wahl des Geländes hatten die Initiatoren zunächst ein Grundstück zwischen Hengsterholz und Uhlhorn im Auge. Doch das hätte eine Kooperation mit Dötlingen bedeutet: „Wenn man in Ganderkesee eins nicht wollte, dann mit einer anderen Gemeinde kooperieren“, sagte Weyhausen-Sauer. Plötzlich habe dann das jetzige Gelände zum Verkauf gestanden.
Wie er weiter berichtete, gab es mehrere Kaufinteressenten – unter anderem den Luftfahrtverein Bremen. Doch bald sei klar geworden, dass es mit den Bremern nichts werden würde. Also trieb der inzwischen gegründete Luftsportverein Ganderkesee das Vorhaben voran und beantragte einen „Verkehrslandeplatz Klasse II“. Eine positive Rückmeldung aus der zuständigen Behörde und Helmut Weyhausens Investitionszusage mit dem Satz „wir machen das“ besiegelten die Entscheidung. „Es ging mit rasenden Schritten voran“, sagte Weyhausen-Sauer. 1971 sei Atlas Air Service für die Wartung von Flugzeugen gegründet worden, 1974 habe dann das Airfield-Hotel eröffnet. „Durch den Flugplatz ist Ganderkesee als Ort weltweit auf jedem Flugplatz verzeichnet.“
Ralf Sauer, der die Regie auf dem „Atlas Airfield“ 2012 von seinem Vater übernahm, berichtete von seinen Kindheitserinnerungen. „Bei gutem Wetter habe ich versucht, eine Mitflug-Gelegenheit zu erhaschen. Ich bin bei allem und jedem mitgeflogen.“ Die positiven Gefühle, die er mit dem Flugplatz verbindet, will Sauer auch den Gästen ermöglichen. „Das Wichtigste, das wir bieten, sind tolle Erlebnisse und schöne Erinnerungen.“
Bürgermeisterin Alice Gerken hob die Bedeutung des „Verkehrslandeplatzes“ hervor, erinnerte aber auch an Diskussionen wegen der Bebauung in der Nähe. Allerdings sei der Flugplatz zuerst da gewesen, sagte sie unter dem Applaus der Gäste. „Die meisten Ganderkeseer sind stolz auf unseren Flugplatz.“
