GANDERKESEE - Es summt, brummt und zirpt. Die Luft flirrt vor Hitze, etwas huscht vorbei. Meterhohe Pflanzen mit dicken Blüten und Blättern so groß wie ein Handrücken bilden ein grünes Dickicht, in dem ein Fremder leicht die Orientierung verliert.

Nicht der südamerikanische Dschungel, sondern die Alte Siedlung in Ganderkesee ist Schauplatz dieser Wildnis. Von der Straße aus ist nicht zu erkennen, dass zwischen den Einfamilienhäusern versteckt ein 1000 Quadratmeter großer Staudengarten mit 300 verschiedenen Arten, einem Bach und einem 20 Meter langen Teich liegt.

Der Garten gehört Johanna Salva. Sie stammt aus Überlingen am Bodensee, wohnt aber seit 42 Jahren in Ganderkesee. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie sich auf dem Grundstück mit Hilfe ihres Sohnes, einem Fischereibiologen, ein Stauden- und Wasserparadies geschaffen.

Rote Lupinen, weiße und violette Funkien, gelbe Gauklerblumen, großer Ehrenpreis und weiße Margeriten stehen in voller Blüte. Dazwischen ist ein kleiner Holzsteg zu entdecken. Er führt über den Natur-Teich, in dem Fische wie Hechte, Rotfedern und Rotaugen schwimmen.

Johanna Salva sitzt mit ihrer zukünftigen Schwiegertochter Daniela Höhne auf einer Holzbank. Sie sitzen praktisch über dem Teich. Eine schwarz-weiße Nachbarskatze kommt vorbei und lässt sich zwischen den beiden Frauen in der Nachmittagssonne nieder.


Rückblick: Salvas’ Sohn Jens legte den Grundstein für den heutigen Garten. „Mit 14 hatte er schon zwei Teiche“, so Johanna Salva. Vater und Sohn fuhren ständig raus zum Angeln, später betrieben sie eine Fischzucht in Bürstel. Mit 21, als Jens gerade im Studium zum Fischereibiologen war, begann er sein bis dahin größtes Projekt: Auf dem Doppel-Grundstück in der Alten Siedlung legte er eine große Teichlandschaft an.

„Als Biologe ist ihm die Nähe zur Natur besonders wichtig“, so seine Mutter. So kommt der riesige Teich ganz ohne Pumpe und Filteranlage aus.

Der Clou ist ein Bachlauf, der das Wasser des Teiches auf natürliche Weise reinigt. Muscheln und bestimmte Pflanzenarten filtern auf mehreren Ebenen das Wasser. „Der Teich reguliert sich selbst“, sagt Johanna Salva.

Ihre Aufgabe war es, den Teich in eine Gartenlandschaft einzubetten. 1993 pflanzte sie die ersten Stauden. „Ich komme vom Bauernhof – dort wachsen überall Stauden im Garten“, so die frühere Krankenschwester. Ein paar Pflanzen brachte sie von der Blumeninsel Meinau im Bodensee mit.

Wer denkt, so ein Staudengarten sei ein Selbstläufer, der irrt sich. Zwar wachsen die Stauden immer wieder nach und brauchen am Ende der Saison nur über der Erde abgeschnitten zu werden. „Sie müssen im Sommer aber ständig mit der Schere alte und kranke Blätter abschneiden“, weiß die Hobby-Gärtnerin. Frau Salva und Schwiegertochter in spe lehnen sich auf der Holzbank zurück – und blicken auf ihr Paradies.