GANDERKESEE - Heinrich Tönjes Wiese: ein Ganderkeseer, der dem Russland-Feldzug zum Opfer fiel. Nicht etwa im 2. Weltkrieg. Unter französischer Fahne zog er aus, um im Namen Napoleon Bonapartes in den Osten Europas vorzudringen.
„Franzosentied“
Dabei handelte es sich keineswegs um einen Fall von Untreue gegenüber dem eigenen Herrscher. Schließlich gab es eine Zeit, in der Ganderkesee ein Teil des napoleonischen Frankreichs war (Februar 1811 bis November 1813). Als das französische Kaiserreich im Jahre 1810 das Königreich Holland und einen großen Landstrich des heutigen Deutschlands zwischen Nordsee und einer am Rhein beginnenden Linie, die bei Travemünde an der Ostsee endete, in seinen Besitz nahm, traf es bald auch das Herzogtum Oldenburg – und damit auch Ganderkesee. Der eigentliche Herrscher, Oldenburgs Herzog Peter Friedrich Ludwig, floh ins zaristische Russland.
Was zuvor noch zur Hausvogtei Delmenhorst in der gleichnamigen Grafschaft gehörte, wurde nun im Zuge der napoleonischen Gebietsreform der französischen Verwaltung unterstellt.
Der ältere Teil des Herzogtums Oldenburg wurde als Arrondissement Oldenburg Bestandteil des „Département Bouches de Weser“ (Wesermündung) mit Sitz in Bremen. Das neu gegründete Arrondissement war gegliedert in zehn Cantone mit insgesamt 46 Mairien (Gemeinden). Ganderkesee bildete mit Delmenhorst, Schönemoor und Stuhr das Canton Delmenhorst.
Kriegssteuer erhoben
Gleichzeitig wurde das Kirchspiel Ganderkesee geteilt in die Mairie Ganderkesee (Südteil) und die Mairie Hohenböken. So wie die Struktur des Ortes verändert wurde, nahmen die neuen Herrscher auch Einfluss auf die Verwaltung. Auf allen Ebenen wurde umgehend das öffentliche und private Recht Frankreichs eingeführt, womit auch in Ganderkesee das zentralistische System einer Munizipalverwaltung Einzug hielt.
Auch der Titel des Bürgermeisters wurde verändert: Heinrich Rottermundt, der zuvor in Bremen als Schreiber tätig war, wurde zur Zeit Napoleons Ganderkesees „Mairie“. Seine Aufgabe bestand unter anderem darin, die Kriegssteuer zu erheben und die Rekruten auszusuchen. 17 Soldaten aus der Gemeinde Ganderkesee kamen im Krieg gegen Russland ums Leben. Ihre Gräber dürften jedoch, wie das von Heinrich Tönjes Wiese, verschollen sein.
feiert im August 1150-jähriges Bestehen. Diese NWZ -Serie schildert markante Ereignisse aus der Ortsgeschichte.
