Ganderkesee-Hollen - Verlockende Essensdüfte zogen durch die Küche des Regionalen Umweltzentrums in Hollen. 16 junge Leute aus Taiwan, Indien, Brasilien, Ägypten, Mexiko, Moldawien, Thailand, Tschechien, Belgien und der Türkei standen dort am Herd. Gemeinsam bereiteten sie vegetarische Burger zu. Davor hatten sich die Besucher, die zurzeit ein Sommercamp der Rotary-Clubs aus Vechta, Ganderkesee, Hude, Delmenhorst, Wildeshausen und Diepholz-Vechta besuchen, mit Klimaschutz und Lebensmitteln beschäftigt.
„Gelbe Karotten habe ich noch nie gesehen“, meinte ein junger Mann aus Taiwan, als er in einen Korb mit Zutaten fürs Mittagessen blickte. An einer anderen Station probierten vier junge Frauen Beeren und Obst aus dem Garten des RUZ. Die beiden Mitarbeiterinnen Claudia Kay und Katja Wessolowski hatten auf Englisch ein Programm zum Thema Ernährung vorbereitet. „Wir hatten eine tolle Diskussion“, sagte Marina Becker-Kückens, Geschäftsführerin des RUZ. Dabei stellte sich heraus, dass das Wegwerfen von Lebensmitteln in vielen Ländern gar kein Thema ist: Ihren Angaben nach stieß auf Unverständnis, dass hierzulande nicht normgerechtes Obst und Gemüse weggeworfen werde. In anderen Ländern werde es gegessen, als Tierfutter genutzt oder an Bedürftige abgegeben, erläuterte sie. „Die jungen Leute konnten unsere Diskussion gar nicht verstehen.“
Genau darum geht es im Rotary-Sommercamp: Die jungen Teilnehmer zwischen 18 und 28 Jahren sollen Kultur, Geschichte und Lebensweise in anderen Ländern kennenlernen. „Man erfährt Dinge, die man sonst nie erfahren würde“, sagte Franziska Mählmann, die das zweiwöchige Sommercamp begleitet. So sei beispielsweise über arrangierte Ehen in Indien gesprochen worden. „Alle sind sehr kommunikativ.“
Die 16 jungen Leute, darunter mehrere Studenten der Wirtschaft, wohnten in den ersten fünf Tagen bei Gastfamilien, nun sind sie gemeinsam in Vechta untergebracht. Zum Programm gehörten ein Ernteeinsatz bei der Dorfgemeinschaft Grummersort in der Gemeinde Hude, ein Besuch des Mercedes-Werks in Bremen und eine Kanu-Tour auf der Hunte. Außerdem war die internationale Gruppe auf Kneipentour in Vechta.
Die 27-jährige Inderin Tanvi macht beim Sommercamp mit, weil sie Menschen aus anderen Kulturen kennenlernen möchte: „Das ist eine interessante Erfahrung“, sagte die junge Modedesignerin.
In den kommenden Tagen stehen noch Besuche auf einer Algenfarm in Ahlhorn und im Klimahaus in Bremerhaven an. Anschließend wollen einige der jungen Leute laut Marina Becker-Kückens noch auf eigene Faust durch Deutschland reisen.
