GANDERKESEE - Es war schon ein stattlicher Betrag, der am Donnerstag den Besitzer wechselte. Deshalb hatte es sich der Leiter des AOK-Servicezentrums Delmenhorst, Bernd Wessels, auch nicht nehmen lassen, den symbolischen Scheck persönlich zu überreichen. Für den Empfänger, den Hospizkreis Ganderkesee, waren der zweite Vorsitzende Gustav Henke und die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin des Vereins, Koordinatorin Linda Bahr, zur Übergabe erschienen.

Rund 13 800 Euro stellte die Krankenkasse dem Verein zur Verfügung. Dabei handelte es sich nicht um eine Spende, sondern um einen Pflichtbeitrag, unterstrich Wessels. Die gesetzlichen Krankenkassen sind per Gesetz gehalten, den ambulanten Hospizdienst entsprechend ihres Umsatzes zu finanzieren. „Das ist eine sehr sinnvolle Sache“, betonte Wessels am Donnerstag bei der Scheckübergabe. Er habe auch privat die Erfahrung gemacht, wie hilfreich die Unterstützung durch einen Hospizdienst sein könne.

In Niedersachsen bringen die Krankenkassen jährlich 2,38 Millionen Euro für 67 ambulante Hospizdienste auf. Dafür leisteten 2074 Ehrenamtliche mehr als 2300 Sterbebegleitungen für Menschen in Niedersachsen. „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass niemand in der Zeit des nahenden Lebensendes ohne Hilfe und Anteilnahme sein muss“, betonte Wessels. „Hospizdienste schließen eine große Lücke im Gesundheitswesen.“

Dass Umfang und Art der Begleitungen dokumentiert werden müssen, damit es eine verlässliche Grundlage für die Vergütung gibt, ist für Linda Bahr selbstverständlich. Die Dokumentationspflichten würden jedoch immer umfangreicher, die Anforderungen immer höher. Dadurch würden zunehmend ältere Menschen abgeschreckt, die sich zur Verfügung gestellt haben, weil sie andere Menschen trösten und ihnen helfen wollten.

Ärgerlich sei, dass Beratungen, die sie im Büro oder in der Wohnung von Betroffenen durchführt, nicht abgerechnet werden können. Dabei sei vielen Familien schon geholfen, wenn sie einige Tipps erhielten. Doch finanzielle Unterstützung von den Kassen bekommt der Verein nur für Begleitungen. „Wir sind deshalb weiter dringend auf Spenden von Unternehmen und Privatpersonen angewiesen“, meinte die Koordinatorin. Benötigt würde eine zusätzliche Kraft im Büro. Auch deren Gehalt könne nur durch Spenden


Die Hospizbewegung sei derzeit auf dem Weg zu einer Institution. „Man spricht inzwischen schon von Hospizarbeit. Das ist die völlig falsche Richtung“, meinte Linda Bahr.