GANDERKESEE - GANDERKESEE - Claudia Behrens (39) ist Ganderkeseerin von Geburt und Norwegerin aus Überzeugung. „In Norwegen“, sagt sie, „sind die Menschen nicht so hektisch – und auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist stärker ausgeprägt, so dass man als Frau schneller weiter kommt.“ Und weil das alles so ist, wird sie morgen nach einem zweiwöchigen Besuch bei ihrem Vater Rolf Behrens in der Ahornstraße wieder beruhigt nach Oslo zurückfahren. Denn nun ist Oslo ihre Welt – und Norwegen.

Claudia Behrens hat nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium Delmenhorst als Außenhandels-Kauffrau gelernt und so Kontakte auch in Norwegen bekommen, das sie von einem Fahrrad-Urlaub kannte und schätzte – weil „die Leute dort viel ruhiger sind, die Natur wunderschön ist und die Chancen für Frauen größer sind als in Deutschland.“ Dort komme sie schneller voran, meinte sie – was sich bewahrheitete.

So schwankte die junge Frau nur kurz, als sie 1989 vor der Alternative „Frankreich oder Norwegen“ stand. Sie wählte Norwegen, fand bei einem ihrer norwegischen Geschäftspartner eine Stelle und bekam dank dieser Stelle eine Aufenthalts-Genehmigung. Also packte sie ihren „Fiat 128“ mit jenen „Klamotten“, die eine 23-Jährige so besitzt, setzte ihren Riesen-Teddy angeschnallt auf den Beifahrersitz und fuhr los, um ihr Glück zu suchen.

Sie fand es beruflich in einer Firma für Importe aus Deutschland, politisch bei den norwegischen „Grünen“. und privat bei einem Mann namens Eivind Ellestad Eriksen, der sich wie sie selbst den „Grünen“ angeschlossen hatte. Eriksen ist längst ihr Ehemann und Vater ihrer drei Kinder Heide (11), Oivind (10) und Erlend (7), mit denen sie ein Reihenhaus auf einer Halbinsel außerhalb Oslos mit Blick auf den Fjord und die Hauptstadt bewohnt. Die norwegischen „Grünen“ setzten die Ganderkeseerin 1989 im Wahlkampf ein, beriefen sie später in ihren Landesvorstand und schickten sie auch für zwei Jahre als Delegierte in die Föderation der europäischen Grünen. Auch Mitglied im Gemeinderat ist Claudia Behrens inzwischen. Und den Job im Im- und Export hat sie zu Gunsten eines Studiums aufgegeben, das sie nach weiteren zweieinhalb Jahren zum „Master in Ökonomie und (Natur-) Ressourcen-Verwaltung“ führen soll – Voraussetzung für eine Tätigkeit in Forschung oder Lehre.

Und Deutschland? – Die alte Heimat rund 1100 Kilometer entfernt von Oslo ist abhakt. „Deutschland und Norwegen, das sind zwei Welten“, sagt sie. Und wie sie das sagt, lässt keinen Zweifel daran, wie sie es meint: Norwegen für immer!