Ganderkesee - Wenn Immobilienmakler Heinz Stoffels ein Haus anzubieten hat, ist es manchmal schon verkauft, bevor er das Angebot im Internet veröffentlichen kann. „Es gibt eine größere Nachfrage als Angebote“, sagt der Geschäftsstellenleiter von Von-Poll-Immobilien an der Mühlenstraße in Ganderkesee. Er habe sehr viele Suchkunden, die bei ihm gelistet seien und nur zum Teil bedient werden könnten. Das wirkt sich auf die Preise aus: „Der Markt bestimmt die Preisentwicklung“, so der Makler.

Nach einer Studie der LBS, der Bausparkasse der Sparkassen, sind die Preise für gebrauchte Reihenhäuser und Doppelhaushälften seit 2014 in Niedersachsen erheblich gestiegen. Im Landkreis Oldenburg sogar um 17 Prozent pro Jahr: Er rangiert damit gleich hinter dem Landkreis Wolfenbüttel, in dem es mit 18 Prozent die höchste Preissteigerung gab. Hausbesitzer müssen laut LBS im Landkreis jetzt durchschnittlich 270 000 Euro für ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte ausgeben. Im benachbarten Landkreis Wesermarsch sind es gerade einmal rund 110 000 Euro. In der Gemeinde Ganderkesee sind nach Angaben der Landesbausparkasse Einfamilienhäuser besonders gefragt: Hier lagen die Verkaufspreise im Jahr 2016 zwischen 215 000 und 299 000 Euro.

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte Oldenburg-Cloppenburg, der Kaufverträge auswertet, ermittelte ebenfalls deutliche Preissteigerungen für Reihenhäuser und Doppelhaushälften. Für den Landkreis ergebe sich ein höherer Mittelwert als für die Stadt Oldenburg, heißt es im Bericht für 2016. „Das liegt daran, dass Reihenhäuser und Doppelhaushälften im Landkreis vorzugsweise neueren Baujahrs sind und sich überwiegend in teuren Lagen nahe der Stadt Oldenburg befinden“, so der Ausschuss.

Nach Erfahrung der Immobilienmakler aus Ganderkesee suchen besonders junge Familien nach Doppelhaushälften. Rüdiger Rutz spricht von „Einsteigerimmobilien“, die bei jungen Leuten gefragt seien, die sich kein Einfamilienhaus leisten könnten. Der Immobilienmakler aus Heide stellt ebenfalls fest, dass das Angebot an Immobilein im Vergleich zur Nachfrage zu gering ist. Ein Fazit, das auch die LBS zieht: Bestandsimmobilien würden teurer, da trotz anhaltender Nachfrage zu wenig Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut würden.

Aber nicht nur Familien, sondern auch Anleger sind auf der Suche. „Die Leute wollen Häuser kaufen, weil die Zinsen zurzeit so niedrig sind“, sagt Makler Rutz.


Jörg Huntemann von der Geno Immobiliengesellschaft der Vereinigten Volksbank sieht einen anderen Trend. Die Nachfrage im Einfamilienhaus-Bereich lasse nach, meint er. „Der Trend geht mehr in Richtung Eigentumswohnung.“ Viele Kaufinteressenten seien ältere Menschen, die ihr Haus aufgeben und sich verkleinern wollten. Aber auch als Wertanlage seien Wohnungen gefragt.

Antje Rickmeier
Antje Rickmeier Redaktion Ganderkesee