GANDERKESEE - Eine Lösung im Konflikt um den Bau mehrerer Biogasanlagen in der Gemeinde zeichnet sich auch nach der Informationsveranstaltung der SPD-Ortsgruppe Süd am Dienstagabend nicht ab. Der Vorschlag, eine Arbeitsgruppe mit Gegnern und Befürwortern sowie Vertretern aller Ratsfraktionen einzurichten, wurde aber zumindest zur Kenntnis genommen.
Einigkeit herrschte im vielleicht wichtigsten Punkt: Die Gemeinde hat bei Anlagen bis 500 Kilowatt keine Handhabe. Derartige Kraftwerke sind privilegiert, einziger Ansatzpunkt könnte eine unzureichende Zuwegung sein.
Viele Kritikpunkte
Während die Landwirte, die eine Anlage planen, in der aus pflanzlichen Rohstoffen (vor allem Mais) Gas (das verstromt wird) und Wärme werden, auf die Rechtslage verwiesen, reichte die Kritik von Verschandelung des Landschaftsbildes über Monokulturen bis zu Zweifeln an der Umweltfreundlichkeit. Vor allem Lebensmittel produzierende Landwirte fürchten zudem steigende Pachtpreise für Ackerland und damit um ihre Existenz. In der Folge steigende Lebensmittelpreise seien sogar „eine Gefahr für den sozialen Frieden“. Der SPD-Landtagsabgeordnete Axel Brammer und SPD-Ratsfrau Christel Zießler („Wir sind verdonnert, unser Einvernehmen zu erteilen“) warnten davor, dass Landwirte „durch steigende Flächenpreise an die Wand gedrückt werden“.
Landesweit auf Platz 3
Zahlen, die auch von den rund 60 Ganderkeseern im Oldenburger Hof gefordert wurden, lieferte Hans Sperveslage. So würden je 500-Kilowatt-Anlage rund 250 Hektar Mais benötigt, berichtete der Vertreter der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems. Schon derzeit seien im Landkreis rund 33 Prozent der Ackerflächen mit Mais bestellt. Landesweit liege der Kreis mit rund 70 Biogasanlagen an dritter Stelle. Die Energieeffizienz derartiger Anlagen liege bei lediglich 20 Prozent. Teils würden für Ackerflächen mittlerweile bis zu 1200 Euro pro Hektar Pacht gezahlt. „Durch die Subventionierung sind Landwirte, die Biogasanlagen betreiben, in der Lage, solche Preise zu zahlen.“
Gerade diese Subventionen seien aber endlich, wies Anlagenbetreiber Arnd Schwarting auf das Erneuerbare Energien Gesetz hin. Dann werde sich auch das Thema überhöhte Pacht regeln. Allerdings erst, wenn „viel Höfe gestorben“ seien, wie Kritiker mit Blick auf die festgeschriebene Einspeisevergütung konterten.
„Entscheidung akzeptieren“
Andere künftige „Energie-Wirte“ verwiesen darauf, dass ihre unternehmerische Entscheidung zu akzeptieren sei. Allerdings war aus ihren Reihen auch von einem Konsens auf freiwilliger Basis die Rede, damit „es nicht ausartet“. Auch seien die hiesigen Anlagen wegen eines deutlich höheren Gülleanteils wesentlich effizienter als in den zitierten Studien, betonte Schwarting.
In einer besseren Effizienz sieht auch Werner Wachtendorf eine Lösungsmöglichkeit. „Durch den Bonus für nachwachsende Rohstoffe treten die Biogasanlagen in direkte Konkurrenz zu Nahrungsmittelproduzenten.“ Sinnvoller sei der Betrieb mit pflanzlichen Abfallstoffen und eine direkte Gaseinspeisung.
Für Hans-Peter Heger, der für einen Energiemix inklusive Biogas warb, ist die Frage der Wärmeabnahme eine zentrale: „Zehn weitere Anlagen sind gar nicht wirtschaftlich zu betreiben, wenn die Wärme nicht verkauft wird.“
