GANDERKESEE - Mit gemischten Gefühlen betrachten Ganderkeseer Eltern den angekündigten Streik in acht Kindertagesstätten in gemeindlicher Trägerschaft. Zumindest am Montag und Dienstag nächster Woche wollen Erzieherinnen für bessere Arbeitsbedingungen protestieren, die Einrichtung bleiben geschlossen.
„Ich habe Verständnis für die Forderungen und unterstütze den Streik“, sagte Bettina Buchmann (35) aus Ganderkesee. Da sie aus demselben Bereich käme, könne sie die Umstände, die zum Arbeitskampf führten, nachvollziehen. „Natürlich ist für viele die Betreuung ihrer Kinder schwierig“, räumt sie ein. Aber das sei für kurze Zeit lösbar. „Hier wird zum Wohl der Kinder protestiert“.
Damit spricht sie Ingrid Schmidt aus der Seele. Die 55-Jährige arbeitet seit 1975 im Kindergarten am Habbrügger Weg. „Früher konnten wir uns in aller Ruhe mit den Kindern beschäftigen“, erinnert sie sich. Heute fehle das Personal und die Zeit für diesen „Service“. Die Arbeitsbelastung steige sogar noch, empört sich Schmidt. Neben Dokumentationen über den Entwicklungsstand der Kinder müssten Elternabende organisiert und Papierkram erledigt werden. „Viele nehmen Arbeit mit nach Hause, weil das nicht mehr zu schaffen ist.“ Dabei hätten die Erzieherinnen den Beruf aus Überzeugung ergriffen. „Wir möchten, dass alle zufrieden sind, aber wir sind einfach nur erschöpft, wenn wir uns um dieses Ideal bemühen, ohne es zu schaffen“, beschreibt Schmidt ihr Dilemma. „Wir brauchen bessere Bedingungen“, so ihr Fazit.
Damit stößt sie nicht bei allen auf Zustimmung. „Ich habe kein Verständnis für den Streik. Andere Jobs sind auch schwierig“, ärgert sich eine Mutter. Eine andere findet: „Ich muss den Notdienst in Anspruch nehmen, sonst wüsste ich nicht wohin mit meinem Kind. Ich brauche Verlässlichkeit. Die Arbeitsmarktsituation ist für alle unangenehm und jeder muss zurückstecken können.“
Vermittelnd zeigen sich Anke Bielefeld (33) und Tanja Bonke (36), beide Ganderkesee, deren Kinder kurzfristig anderweitig betreut werden. „Wir sehen die Lage der Erzieher, aber für berufstätige Eltern ist eine verlässliche Kinderbetreuung nun einmal oberstes Gebot.“
