GANDERKESEE - GANDERKESEE - An manchen Tagen hält es Conni Rüttgardt kaum noch aus vor Schmerzen. Mitte April, als es mal wieder unerträglich wurde, hat er sich sogar nach Oldenburg fahren lassen, ins evangelische Krankenhaus, zur Notfallaufnahme. „Dort hat ihm der Arzt zwar gesagt, dass er so einen schlimmen Fall noch nicht gesehen hat“, berichtet Tochter Nina Rüttgardt, „nur helfen konnten sie ihm dort auch nicht.“

Helfen könnte eine Münchner Privatklinik dem 47-jährigen Ganderkeseer, bei dem vor zehn Jahren eine Wirbelkanalstenose diagnostiziert wurde: eine Verengung, die die Nervenwurzeln einschnürt, heftige Schmerzen hervorruft und zu Lähmungserscheinungen führt – „in zehn Jahren werden Sie im Rollstuhl sitzen“, hatte ihm ein Arzt damals schonungslos offenbart.

Der Rollstuhl wird zwar bisher nur zum Transport gebraucht, zu Hause kann Conni Rüttgardt sich selbst fortbewegen, wenn auch mühsam und unter Schmerzen. Aber seit ungefähr einem Jahr sind die Symptome der Wirbelsäulen-Erkrankung akut, die Schmerzen sind stärker geworden, die Lähmungserscheinungen kommen häufiger. Und zunehmend leidet Conni Rüttgardt auch psychisch – weil er nirgendwo Hilfe erfährt.

Denn die Operation in der Münchner Klinik, die rund 25 000 Euro kosten würde, will die AOK, bei der Rüttgardt versichert ist, nicht übernehmen. Es sei „eine über das Maß des Notwendigen hinaus gehende Behandlungsform“, erklärt Bernd Wessels, Leiter des AOK-Servicezentrums Delmenhorst. Es gebe ausreichend Alternativangebote in gesetzlich zugelassenen Kliniken. „Damit ist der gleiche Erfolg zu erzielen“, glaubt Wessels und beruft sich auf ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen.

Rüttgardts sind anderer Meinung. „Die übliche Behandlungsform in fast allen neurochirurgischen Kliniken ist eine so genannte Wirbelsäulen-Versteifung“, erklärt Tochter Nina, die als angehende Physiotherapeutin nicht ganz sachfremd ist. Dabei werden Schrauben in den Wirbelkörpern befestigt, um die Einengung aufzuhalten – „dadurch werden aber die Wirbelsegmente über der betroffenen Stelle stärker belastet“, meint Nina Rüttgardt. Nach zwei Bandscheiben-Operationen und Cortison-Behandlungen ist das Rückgrat ihres Vaters ohnehin geschädigt.


„Am Ende muss die ganze Wirbelsäule versteift werden – das bedeutet praktisch eine Lähmung“, glaubt die Tochter. Und es gebe noch nicht einmal die Garantie, dass die Schmerzen dann verschwunden seien. Die Alpha-Klinik in München hingegen umgehe die Wirbelsäulen-Versteifung durch eine Minimal-Operation, die zur Rekonstruktion des Wirbelkanals führen soll.

Conni Rüttgardt und seine Ehefrau Petra sowie Tochter Nina verstehen die starre Haltung der AOK nicht. Und auch ihren Orthopäden nicht, der ebenfalls zur Wirbelsäulen-Versteifung rät. Sie setzen auf die Methode der Münchner Klinik und wollen nun Geld sammeln, um die teure Operation zu ermöglichen. Bei der Volksbank Ganderkesee (BLZ 280 622 49) wurde ein Konto (Nr. 111 618 502) eingerichtet – Stichwort: „Wirbelkanal-Stenose“.