GANDERKESEE/NUTZHORN - Helmut Otte winkte erst ab. Nein, als Kandidat für den „Mensch des Jahres“ ins Rampenlicht gezogen werden, das sei nicht sein Ding, sagte er bescheiden. Doch da ist Harm Ehlers, Vorsitzender des Orts- und Verkehrsvereins Schönemoor, ganz anderer Ansicht: „Es wäre schön, wenn Helmut Otte das Rennen machen würde“ – auch wegen des lebenslangen Einsatzes für andere, der sich vielfach eben nicht im Rampenlicht abspielt.
Aber zunächst zu dem Einsatz Ottes, der auch öffentlich bekannt ist: 20 Jahre lang war der Nutzhorner, Jahrgang 1936, Vorsitzender des Schützenvereins Schönemoor (der in dieser Zeit von 120 auf 360 Mitglieder anwuchs), seit zehn Jahren steht er an der Spitze des Kameradschaftsbundes. Beide Posten haben eines gemeinsam: Otte wollte sie eigentlich gar nicht. Noch genau erinnerte er sich, was seine Frau Ernestine sagte, als der damals 99 Jahre alte Kameradschaftsbund ihn für den Vorsitz gewinnen wolle: „Wenn du Vorsitzender wirst, zieh’ ich aus.“ Aber Otte beruhigte: „Ich mach das doch nur während der 100-Jahr-Feier“.
Bekannt ist Helmut Otte darüber hinaus durch ein weiteres ehrenamtliches Engagement – als Redner. Ein verschmitztes Lächeln huschte übers Gesicht, als er sich an eine Frage von Jochen Selke erinnerte. Wo Otte denn seine Rhetorik-Lehrgänge absolviert habe, hatte der langjährige CDU-Kreistagsfraktionschef einmal wissen wollen. „Es gibt Dinge, die kannst du nicht lernen“, sagte Otte, dem der Mutterwitz mit in die Wiege gelegt wurde.
So zwischen 450 bis 500 Mal habe er wohl schon eine Rede gehalten, ganz oft auf Platt, zum Beispiel bei Geburtstagen, Hochzeiten, bei Einweihungen – und auch am Grab. Ob es da ein „Rezept“ gibt, um Menschen zu beschreiben? „Im Prinzip ist es, als wenn du wie beim Hausbau eine Leine spannst. In jede Ecke musst du mal gehen.“ Wichtig sei, nie zu beleidigen, nie zu verletzen. Und: „Es kommt ja darauf an, ,wie’ du etwas sagt“.
Mitunter werden Ottes Grabreden schon zu Lebzeiten „vorbestellt“. So hatte sich zum Beispiel Schönemoors früherer Pastor Sibo Kunstreich gewünscht, dass Otte spricht – und zwar auf Platt. Fast alle, über die er da spricht, kannte der Nutzhorner seit langem. „Schwer“ falle es ihm, junge Menschen auf dem letzten Weg zu begleiten.
Bleibt nachzutragen, was von Otte weniger bekannt ist: Der Nutzhorner gilt für manch einen Mitbürger als „Kraftquelle“, als einer, der bei Problemen zuhören, aufbauen kann. Manchmal sei er „so eine Art Beichtvater“, beschreibt Otte das. Warum die Leute gerade zu ihm kommen? „Du musst Vertrauen haben. Das ist das Entscheidende.“
