GANDERKESEE - „Im Großen und Ganzen ist Ganderkesee ein blindenfreundlicher Ort“, sagt Erich Strodthoff. Der 68-jährige Ganderkeseer weiß, wovon er spricht: Strodthoff ist vor elf Jahren an einer erblichen Krankheit erblindet. Anlässlich des Tages des weißen Stocks, mit dem am Donnerstag dieser Woche die Blindenverbände in Deutschland auf die Situation blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam gemacht haben, wollte die NWZ von Strodthoff wissen, wie es um die „Blindenfreundlichkeit“ in Ganderkesee steht.
Der Stock ist für viele Blinde nicht nur eine notwendige Hilfe: „Ich benutze ihn vor allem“, sagt Strodthoff, „da man mich sonst nicht sofort als Blinden erkennt“. Hindernisse blockieren selten seinen Weg. Das größte Problem seien Hecken, die von Anwohnern nicht regelmäßig geschnitten werden.
Kritisch wird es für Blinde immer dann, wenn sie Straßen und Kreuzungen passieren müssen. Hier sind Ampeln mit akustischen Signalen hilfreich. In Ganderkesee ist dies bei den meisten wichtigen Ampeln inzwischen der Fall. „Die Gemeinde plant bereits, auch die letzten beiden großen Kreuzungen mit Akustiksignalen auszurüsten“, lobt Strodthoff. Es handelt sich um die Ecke Lange Straße/Ring und die Kreuzung Stedinger Straße/Huder Straße in Bookholzberg.
Auch die Teilnahme am öffentlichen Verkehr sei Blinden in Ganderkesee erleichtert worden, seit es den Bürgerbus gibt, freut sich der 68-Jährige. Schwieriger werde es bei Zug- und Busfahrten: „Die Züge halten nie an exakt derselben Stelle, die Eingänge sind daher schwer zu finden“, kritisiert Strodthoff. Hilfreich wären auch Blindenleitstreifen, die vom Bahnsteig bis zu den Bussen führen – viele Gemeinden seien dabei, diese einzurichten.
„Bei der Gemeinde Ganderkesee trifft man als Blinder stets auf offene Ohren. Daran erkennt man, dass wir Blinden in der Region akzeptiert sind“, freut sich Erich Strodthoff, der sich unter anderem in seiner Funktion als 2. Vorsitzender des Verbandes der Blinden und Sehbehinderten in Oldenburg für seine Leidensgenossen einsetzt. Er möchte die Blinden motivieren, am öffentlichen Leben teilzunehmen: „Man muss sich Mut machen und sein Schicksal akzeptieren, Ganderkesee ist ein Ort, der niemanden daran hindert.“
