Ganderkesee/Oldenburg - „Wir wollen, dass Fairness in die Sache kommt“, sagt Axel Iben, während er seinen Trecker durch Ganderkesee fährt. Vor und hinter ihm rollen viele weitere Maschinen, alle mit demselben Ziel: Oldenburg. An der Weser-Ems-Halle wollen Landwirte aus der Region gegen die aktuelle Agrarpolitik demonstrieren. Dem Aufruf der Initiative „Land schafft Verbindung“ folgen am Dienstag allein aus Ganderkesee mehr als 100 Landwirte – für viele von ihnen eine nicht unerhebliche Belastung.
Heute eher aufgestanden
„Auf dem Hof haben wir heute zwei Stunden eher angefangen“, erklärt Iben, dessen Arbeitstag sonst um 6 Uhr beginnt. Auch wenn er den regenfreien Tag gut für Restarbeiten nach der Maisernte gebrauchen könnte, nimmt er an der Fahrt zur Demo teil. „Wir wollen nicht einfach als Umweltsünder abgestempelt werden.“ Iben vermisst derzeit Objektivität in der politische Diskussion. „Es geht da nicht mehr um Wissenschaft, sondern um Gefühle.“
Vor allem von Julia Klöckner und Svenja Schulze, den Bundesministerinnen für Landwirtschaft sowie Umwelt und Naturschutz, fühlt sich Iben derzeit im Stich gelassen. „Die verweigern ja einen Dialog mit uns“, sagt er. Dass jetzt Schlag auf Schlag neue Verordnungen auf Landwirte zukommen, findet er nicht gut. „Die 2017er Düngeverordnung war größtenteils schon in Ordnung, davor gab es etliche Fehler“, so Iben. „Aber die hätte jetzt auch erstmal wirken müssen.“
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Das Mercosur-Abkommen gefährde regionale Lebensmittel durch Billigpreise.
Vor allem der bürokratische Aufwand sei zu groß geworden. „Jedes Frühjahr müssen wir eine Nährstoffbilanz machen. Da wird abgerechnet, was auf dem Hof alles rein- und rausgeht.“ Das zu berechnen sei mittlerweile aber so aufwendig, dass Iben das nicht mehr selber machen kann. „Dafür bräuchte ich alleine vier Wochen.“
Landwirt auf Umwegen
Zur Landwirtschaft kam er selber erst über einen Umweg. „Mit 16 Jahren habe ich angefangen, Landwirtschaft zu lernen, aber dann eine Rinderhaar-Allergie entwickelt.“ Iben wurde Veranstaltungstechniker und war jahrelang europaweit auf Tour. „2008 wollte mein Vater dann seinen Hof erweitern und da habe ich gesagt, ich komme nach Hause“, sagt der 40-Jährige. Seit zehn Jahren ist er jetzt Landwirt und bewirtschaftet rund 100 Hektar eigenes Land, dazu gepachtete Flächen. „Unter 50 Hektar funktioniert heute nur noch als Nebenerwerb“, ist sich Iben sicher. „Und da wird es mittlerweile auch knapp.“ Gerade solche kleinen Höfe würden aber durch aktuelle Verordnungen in ihrer Existenz gefährdet.
Die Treckerkolonne aus Ganderkesee – eine von mehreren – erreicht schließlich Oldenburg. Verkehrstechnisch geht stadteinwärts nichts mehr, die Landmaschinen bleiben auf der Bremer Heerstraße stecken. Trotz der Verkehrsbelastungen gibt es aber positive Rückmeldungen: Passanten zeigen den Daumen nach oben, Lkw-Fahrer grüßen mit Lichthupe. „In den sozialen Medien haben wir auch viel Zuspruch bekommen“, freut sich Iben.
Fahrt hat sich gelohnt
Zu den Kundgebungen an der Weser-Ems-Halle schafft er es letztendlich nicht mehr, aber die Fahrt nach Oldenburg findet Iben deshalb nicht vergebens. „Wir haben unseren Beitrag geleistet, das war das Ziel.“ Er bezweifelt, dass die Bundespolitik sich jetzt von den Demonstrationen beeindrucken lässt, will deshalb aber nicht aufgeben. „Das ist sicher nicht die letzte Aktion von uns gewesen.“
Ein positives Fazit zieht auch Cord Wübbenhorst, Vorsitzender des Ganderkeseer Landvolks. „Die Resonanz ist enorm.“ In Gesprächen mit Oldenburger Passanten entlang der Bremer Heerstraße hat er viel Zuspruch für die Sache der Landwirte erfahren und bewertet die Fahrt deshalb als Erfolg. „Es blieb friedlich und wir haben unseren Standpunkt mit Nachdruck gezeigt.“
