GANDERKESEE - So schnell wie möglich will die Gemeinde Ganderkesee mit der Entsorgung des mit Schwermetallen belasteten Schlammes aus dem alten Regenrückhaltebecken im Industriegebiet beginnen. „Wir hoffen, dass wir nächste Woche den Auftrag vergeben können“, sagte Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas am Donnerstag auf Nachfrage. Zurzeit sei der Gutachter Dr. Kasimir Pirwitz dabei, Angebote für die Abfuhr einzuholen.

Die Eile hat Gründe: Das Gelände, auf dem sich das Becken befindet, wird von der benachbarten Firma Hans Pries übernommen, die sich dort erweitern möchte. Und der Investor steht in den Startlöchern: „Pries will das Becken verfüllen, sobald der Schlamm raus ist“, weiß Gerken-Klaas.

Damit wäre Sand über eine Sache gekippt, die für viel Aufregung gesorgt hat. Und die ist auch nicht vorbei: Wie berichtet hat Naturschützer Georg Müller den Landkreis Oldenburg und die beiden Metallveredelungs-Firmen in der Nachbarschaft des Rückhaltebeckens wegen verbotener Einleitungen angezeigt. Die Polizei in Delmenhorst bestätigte am Donnerstag den Eingang der Anzeige. Man werde ermitteln, hieß es.

Für Gerrit Finke, der in der Kreisverwaltung mit den Vorgängen im Ganderkeseer Industriegebiet befasst ist, wirkt die Anzeige, als ob „ein Krankenwagen, der mit Blaulicht fährt“, abrupt gestoppt werde. Schließlich leiste der Landkreis mit der Reinigung des Grundwassers, das durch den schweren Chromatschaden in den 80er Jahren noch belastet ist, einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Umwelt. Den Vorwurf Müllers, dass ein Gewässer verunreinigt worden sei, lässt Finke auch nicht gelten – das Regenrückhaltebecken sei kein Gewässer.

Eine Folge für die Gemeinde Ganderkesee hat Müllers Strafanzeige auf jeden Fall: Sie muss jetzt weiter warten auf die Ergebnisse der Proben, die an der Grundwasser-Reinigungsanlage genommen wurden. Mehrfach hatte Bürgermeisterin Gerken-Klaas bereits die Übermittlung der Werte angemahnt – am Donnerstagmorgen jedoch teilte Landrat Frank Eger ihr mit, dass damit vorerst nicht zu rechnen sei, denn nun seien diese Werte möglicherweise Bestandteile eines Strafverfahrens.