Ganderkesee - Die Zukunft ist digital, heißt es. Nur beim Radio behauptet sich analoge Technik hartnäckig gegenüber neuen Standards, zumindest in Deutschland. Der Niedersächsische Landtag hat kürzlich den Sendestandard DAB+ (Digital Audio Broadcasting) für gescheitert erklärt und will diesen nicht weiter fördern. Auch wenn das außerhalb der Kompetenzen des Landtags liegt, ist nicht von der Hand zu weisen, dass DAB+ bundesweit im Alltag keine dominante Rolle spielt. Die NWZ hat bei Fachleuten nachgefragt, wie die Situation in der Gemeinde aussieht.
Schlechter Empfang
„So richtig ein Thema ist das hier nicht“, sagte Thomas Fleischer, Inhaber von Fernseh Fleischer aus Ganderkesee. Empfangsgeräte mit DAB+ würden zwar verkauft, aber nicht überwiegend – was auch an der teils schlechten Verfügbarkeit von Sendern liege. „Wir haben zwei Sendestellen in der Gegend“, erklärte Fleischer. „In Steinkimmen, die senden Deutschlandfunk und NDR, und in Bremen Walle, die den „Bundesmux“ senden, in dem alle Programme gebündelt sind.“ Die Bremer Anlage habe jedoch zu wenig Leistung, um überall im Gemeindegebiet empfangen werden zu können. „Da bekommt man hier im Ort nichts rein, die kleinen Antennen von Hausgeräten reichen nicht aus.“ Bei Autoradios ist das seiner Beobachtung nach jedoch weniger ein Problem.
DAB (Digital Audio Broadcasting) ist ein Standard für digitales Radio, der in den 90er Jahren etabliert wurde. DAB nutzt das vorhandene Frequenzspektrum effizienter als analoges Radio und kann Empfangsfehler besser ausgleichen sowie mehr zusätzliche Informationen zum Programm senden.
DAB+ wurde 2007 als aktualisierte Version des Standards veröffentlicht, unter anderem mit besserer Audioqualität. Laut dem Niedersächsischen Landtag nutzen aber nur 10 Prozent der Rundfunkhörer DAB+.
Analog noch im Angebot
UKW-Radios sind zudem immer noch erhältlich, so Fleischer. „Mir ist kein Hersteller bekannt, der nicht noch einen analogen Empfänger im Programm hat.“ Bei Dreifachempfängern, die klassisches UKW, DAB+ und einen Internetanschluss kombinieren, gebe es für die Kunden dann überhaupt keine Probleme mit dem Lieblingssender.
Etwas besseren Empfang hat hat der Kundenkreis von Alfred Spille, Inhaber von Fernseh Spille in Heide. „Wir liegen ja näher an Delmenhorst“, sagte er, „da haben unsere Kunden keine Probleme mit ihren Geräten.“
Seiner Erfahrung nach existiert durchaus Nachfrage nach Radios mit DAB+, vor allem bei älteren Kunden. „Es gibt einerseits einen Markt als Ersatz für ausgefallene alte Geräte“, erklärte Spille, „und es gibt ältere Menschen, die mit dem Internet nichts anfangen können oder wollen.“ Dass der digitale Radiostandard wirklich irgendwann abgeschafft wird, kann er sich nicht vorstellen.
Kabel als Radioquelle
Eine populäre Quelle für modernes Radio ist Fleischers Erfahrung nach der digitale Kabelanschluss. „Viele Leute kaufen einen Empfänger für Kabel, mit dem sie dann über 100 Radiosender digital empfangen können“, sagte er, „das ist fast ein tägliches Gerät bei uns im Geschäft.“ Sollte DAB+ als Standard wegfallen, wäre diese Art des Anschlusses seiner Einschätzung nach ein denkbar guter Ersatz.
Parallel dazu verwendeten viele Menschen auch ihren heimischen Internetanschluss zum Empfang von Radio. „Wer sich heutzutage ein Radio kauft, nimmt häufig ein Gerät mit WLAN und empfängt zuhause übers Internet“, sagte Fleischer.
Sorgen vor dem Ende des Standards DAB+ macht er sich nicht, zumal Radioprogramme nach wie vor in UKW ausgestrahlt werden: „Das Abschalten von analogem Radio ist schon so lange im Gespräch und immer noch gibt es das“, gab Fleischer zu bedenken. „Wir in Deutschland tun uns ja immer etwas schwer mit neuen Standards.“
