GANDERKESEE - 16 Jahre lang rückte Dr. Gustav Henke das Bild von U Nord in der Öffentlichkeit ins rechte Licht. Heute ist er selbstständig und beackert zwei Geschäftsfelder.

Von Karsten Kolloge

GANDERKESEE - Bei der Frage nach diesem Termin muss Dr. Gustav Henke nicht lange überlegen. „Im September 2003“ sei es gewesen, als bei Umweltschutz Nord die Lichter ausgingen – und sich auch sein Leben so einschneidend ändern sollte. „Für mich persönlich war die Insolvenz ein Schock. Ich hatte fast bis zum Schluss geglaubt, das Ruder könnte noch herumgerissen werden.“

16 Jahre war Henke in der Werbung und der Öffentlichkeitsarbeit des Bodensanierers tätig. Freilich: Gelernt hatte er etwas ganz anderes. An der Uni Kiel hatte Henke in Biologie und Meereskunde sein Diplom erworben, an der Uni in Ulm schließlich promoviert. Als er danach ab 1984 für drei Jahre ein Forschungsprojekt zum Thema Wasserverschmutzung auf Helgoland leitete, lernte er – bei einer Firmenpräsentation in Ganderkesee – die damaligen U Nord-Geschäftsführer Emmo Poetzsch und Kurt Lissner kennen.

Nahtlos fing Henke nach dem Ende des Forschungsprojektes bei U Nord an – als Projektleiter Altlastensanierung, betraut auch mit Aufgaben der Vertretung der Firma nach außen. Schon bald konzentrierte er sich auf den Aufbau der Abteilung Werbung und Öffentlichkeitsarbeit.

„Da kann man nur glaubwürdig arbeiten, wenn man an den Laden glaubt“, ist sich Henke sicher. Die Identität mit den Zielen von U Nord war groß: „Ich hab mich da reingekniet. Es hat ja auch so was von Spaß gemacht, in diesem Metier Fuß zu fassen.“ Denn die Bodensanierung mit Mikroben – „die war ja vielen anfangs suspekt“.


Als dann 2003 alles zusammenbrach, habe er in sich „eine Mischung aus Schock, Lähmung und Wut“ verspürt. Warum Wut? „Weil ich gesehen habe, dass sich andere Kollegen sehr saniert haben“, redet Henke Tacheles. Und auch Wut über sich selbst – „dass ich nicht rechtzeitig abgesprungen bin, nicht rechtzeitig Kündigungsschutzklage eingereicht habe“.

Henkes Frau Maria, die ebenfalls bei U Nord beschäftigt war, fand schon wenige Monate nach der Insolvenz des Bodensanierers eine neue Herausforderung: Sie übernahm den Ganderkeseer Bio-Laden. Ihr Mann half beim Aufbau, ein halbes Jahr lang habe das gedauert.

Doch dann, so erinnert sich Gustav Henke, sei er „in ein Loch gefallen, da kam der Schock richtig zum Tragen“. Aufwärts gegangen sei es erst ab Ende 2004, als das Arbeitsamt ihm ein auf Akademiker zugeschnittenes Intensivseminar für Unternehmensgründungen bot.

Was folgte, war der Sprung in die Selbstständigkeit. Hier baute Henke auf zwei Säulen: Zum einen gründete er die „henke.audio“, in der er Live-Aufnahmen, Tontechnik und CD-Produktionen anbietet. Dieser Zweig sei „aus einem Hobby heraus entstanden“, schließlich habe er schon seit Jahren Chöre oder Instrumentalgruppen aufgenommen. Säule Nummer zwei: die „henke.PR“. Mit ihr macht er insbesondere kleineren und mittleren Unternehmen, die sich keine eigene PR-Abteilung leisten können, ein Angebot.

Das Wagnis Selbstständigkeit, so ist der 57-Jährige überzeugt, „war der richtige Schritt“. Beide Bereiche hätten sich ganz gut entwickelt. Und: „Zur Selbstständigkeit gab es auch keine Alternative – vom Alter her, aber auch vom Wollen her.“