GANDERKESEE - Eine Berufsgruppe wartet mit Spannung auf die heißeste Nacht des Jahres. Die Taxifahrer haben Silvester viel zu tun. Von 18 Uhr abends bis 6 Uhr früh klingelt bei Tunc Karagac in der Zentrale von Taxi Borkus in Ganderkesee fast ununterbrochen das Telefon. „Silvester 2006/2007 bekam ich über 2000 Anrufe, jedoch konnte ich nur 760 entgegennehmen und an unsere Taxifahrer weiterleiten.“
Jedes Jahr an Silvester stehen die Taxiunternehmer vor dem gleichen Problem: Zu viele Anrufe und zu wenig Taxen, um den Bedarf in dieser Nacht zu decken, und das, obwohl alle Fahrzeuge eingesetzt werden. „Irgendwann sind die Kapazitäten erschöpft“, so Karagac.
Aber damit nicht genug, auch gegen andere mehr oder minder lustige Unannehmlichkeiten müssen die Taxifahrer ankämpfen. Heiko Stubbemann von „Der kleine Ganderkeseer“: „Es kommt durchaus vor, dass die Fahrgäste so betrunken sind, dass sie den Straßennamen ihrer Wohnung nicht mehr kennen. Ich muss mich dann von ihnen lotsen lassen, was häufig mit vielen Umwegen verbunden ist.“
Des Öfteren sei es auch schon vorgekommen, dass sich Fahrgäste im Taxi übergeben haben. „Eine teure Angelegenheit“, so Stubbemann. „Das Taxi ist dann vorerst wegen des Gestanks nicht einsetzbar und muss von einer Spezialfirma in Oldenburg gereinigt werden. Das kostet zwischen 36 und 180 Euro, die dem Gast in Rechnung gestellt werden.“
Dass betrunkene Kunden im Taxi einschlafen und vor ihrer Haustür geweckt werden müssen, kommt jedes Wochenende vor, berichtet Karagac. Auch, dass sich Gäste nicht mehr artikulieren können oder Paare sich auf der Rückbank streiten und trennen, sei keine Seltenheit.
„Mir ist es auch schon passiert, dass ich ein Pärchen zu einer Silvesterparty gebracht und beide getrennt mit neuen Partnern abgeholt habe“, berichtet Karagac. Auch zweideutige Angebote von Frauen an die Taxifahrer kommen ab und zu vor. „Aber wir stehen unseren Mann und gehen nicht weiter darauf ein“, so Karagac.
Insgesamt freuen sich die Taxifahrer auf das Silvestergeschäft. Sie hoffen auf geduldige Kunden mit kleinen Scheinen, die ohne Probleme gewechselt werden können. Karagac: „Wenn möglich keine Fünfziger und Hunderter.“
