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TIERWELT Lucas steht auf „Fingerfood“

CHRISTIAN BARTSCH

GANDERKESEE - Von der „dicken Johanna“ hat Krähe „Lucas“ nichts zu befürchten: „Unsere Katze ist 27 Jahre alt, die fängt keine Vögel mehr – dafür ist sie schon viel zu träge und zu dusselig“, schmunzelt Rainer Dietrich. Der Ganderkeseer hat den aus dem Nest gepurzelten Jungvogel vor drei Wochen auf dem Parkplatz eines Supermarktes gefunden und schließlich in einem Karton nach Hause transportiert. „Ich habe noch eine halbe Stunde gewartet, ob die Mutter sich blicken lässt, aber das war nicht der Fall“, schildert der Tierfreund. Seither ist er „Krähenpapa“ und seine Frau Inge aufopferungsvolle „Krähenmama“.

Im Halbstundentakt bekam der stark geschwächte Vogel anfangs seine dreigängigen Menüs, die aus frischem Hackfleisch, Babybrei und Wasser bestehen. Mittlerweile gibt es nur noch alle zwei Stunden etwas zu Fressen – allerdings immer noch rund um die Uhr. „Am ersten Morgen haben wir gedacht, jetzt ist er hinüber“, gesteht Dietrich, „da lag Lucas mit den Beinen nach oben im Käfig.“ Doch dank guter Pflege bekam die junge Krähe irgendwie doch noch die Kurve.

Ganz pragmatisch – nämlich mit dem Finger – stopft Rainer Dietrich dem Tier die Fleischportionen in den Rachen. „Da habe ich zum ersten Mal gesehen, wie die Zunge von so einem Vogel aussieht.“ Anschließend gibt es aus einer Plastikspritze einen ordentlichen Schuss Säuglingsnahrung aus dem Glas. Zur Belohnung für duldsames Schnabelaufhalten darf Lucas neuerdings immer eine Weile auf dem am Boden liegenden Gartenschlauch sitzen. „Da schwankt er dann hin und her – er übt noch das Balancieren“, berichtet sein „Ziehvater“.

Dass die Dietrichs ein Tier aufpäppeln, kommt öfter vor: „Bislang waren das aber immer Igel – die Krähe ist für uns Neuland.“ Die täglich kräftiger werdenden Lebenszeichen des Vogels haben neben den Dietrichs auch die Mitglieder des AMOS-Teams verfolgt. Dabei handelt es sich um eine von Dietrich ins Leben gerufene Gruppe von Bürgern, die weitgehend ehrenamtlich Schulungen für Hauptschulabsolventen anbieten. Schirmherrin ist Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas. „Neben Piratenschaf Amos ist Lucas schon ein wenig zu unserem Maskottchen geworden“, freut sich Dietrich.

Dennoch will er den Vogel natürlich später gerne wieder in Freiheit sehen: „Ich hoffe doch sehr, dass der irgendwann einfach losfliegt“, sagt Dietrich, „aber ich habe kürzlich im Internet recherchiert und dort gelesen, dass Krähen wohl durchaus anhänglich sein können.“


Die Krähe

Insgesamt

42 Arten zählen zur Gattung der Rabenvögel – wobei die kleineren Vertreter als Krähen, größere als Raben bezeichnet werden.

In Europa

kommen die Saatkrähe, der Kolkrabe, die Aaskrähe und die Dohle vor.

Die Bezeichnung

„Krähe“ ist lautmalerischen Ursprungs und bezieht sich auf den Ruf der Vögel, das „Krähen“.
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