GANDERKESEE - „Auch bei mir kommt der Strom aus der Steckdose“, zitierte Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas zum Auftakt der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend einen altbekannten Spruch. Bei dem gut besuchten Treffen im Rathaus thematisierte die Deutsche Umwelthilfe die Auswirkungen der Energiewende auf das Stromnetz. Spätestens seit Fukushima sei klar, „dass wir es uns nicht mehr so einfach machen dürfen“, meinte die Bürgermeisterin, die die „Rolle rückwärts“ der Bundesregierung in Sachen Atomkraftwerke als richtige Entscheidung bezeichnete. Beim Ausbau des Leitungsnetzes „wollen wir die Erdverkabelung“, unterstrich die Gastgeberin mit Nachdruck.
Netz als Flaschenhals
Der Umstieg auf regenerative Energien ist mit dem vorhandenen Stromnetz nicht möglich, verdeutlichten Anne Palenberg und Dr. Peter Ahmels von der Umweltstiftung. „Das Stromnetz ist der Flaschenhals der Energiewende“, sagte Anne Palenberg. Das gelte sowohl für die überregionalen Übertragungsnetze als auch für die lokale Verteilung.
Während bislang Großkraftwerke an zentralen Punkten Strom eingespeist haben und dieser Prozess in eine Richtung verlief, ist die Einspeisung künftig überwiegend dezentral organisiert, wobei die Erzeuger von Solarstrom elektrische Energie liefern, aber auch Strom beziehen, wenn die Sonne nicht scheint. Das Problem: Wie beim Sprungtuch, das Feuerwehrleute aufspannen, muss die Kraft gleichmäßig verteilt sein, damit das System funktioniert. „Wir brauchen nicht nur eine genügend große Zahl von Kraftwerken, sondern auch eine gleichmäßige Verteilung“, formulierte die Mitarbeiterin der Umwelthilfe.
Freileitung bevorzugt
Die geplanten neuen Leitungstrassen seien Verbindungsstücke zwischen vorhandenen Teilnetzen, die dafür sorgen sollen, dass die großen Strommengen, die in Windparks im Norden produziert werden, zu den Großverbrauchern im Süden transportiert werden können, sagte Ahmels. Bei den 380-kV-Höchstspannungsleitungen sei die Freileitung derzeit Stand der Technik.
Dass Erdkabel bis zu fünfmal so viel kosten können, sei nicht entscheidend, weil die Netzbetreiber diese Kosten weitergeben können. Entscheidender ist, so Anne Palenberg, dass wegen des hohen Gewichts nur Kabelstücke von maximal 1000 Metern Länge verlegt werden können, die mit – immer noch störungsanfälligen – Muffen verbunden werden. Außerdem gebe es noch keine Erfahrungen, wie sich Erdkabel in ihrem Netz verhalten.
Die Versorgungssicherheit bei Freileitungen liege bei 99,8 Prozent, bei Erdkabel aber lediglich bei 96,7 Prozent. Dieses Risiko wolle kein Netzbetreiber eingehen, so Ahmels.
