GANDERKESEE - Was hat ein über und über mit Schlamm besudeltes Auto, das in einer riesigen Schlammpfütze steckt, mit Fledermäusen zu tun? Eine ganze Menge, weiß Fledermaus-Experte und Dipl. Biol. Ulf Rahmel. Denn um einige der 1200 Fledermausarten aus aller Herren Länder beobachten zu können, machen sich der Experte und sein Team auch schon einmal in unebenes Dickicht auf.
Mit Anekdoten und amüsanten Fotos brachte Rahmel am Dienstagabend den Zuhörern im Rathaus alles Wissenswerte über die kleinen, flugfähigen Säugetiere näher.
Besonders interessant: Im nahe gelegenen Hasbruch tummeln sich zahlreiche Fledermausarten, die das Gebiet als ihr Jagdrevier nutzen. „Die Vernetzung zwischen dem Hasbruch und der Umgebung ist ideal“, erklärte Rahmel und auch wenn man es angesichts der schwindenden Wälder nicht glauben mag: „Die Fledermauspopulation ist in den vergangenen Jahren gewachsen“, erzählte Rahmel den erstaunten Zuhörern. Besonders die Teichfledermaus, deren Jagdrevier Gewässer sind, ist in der Umgegend bis hin zur Weser weit verbreitet.
Aber wie ist es überhaupt möglich, Daten rund um die nachtaktiven Lebewesen zu sammeln? Dafür sind viele schlaflose Nächte in dunklen Wäldern nötig, erzählte der nach eigenen Angaben auch eher nachtaktive und „lichtscheue“ Referent Rahmel. Mit riesigen aufgestellten Netzen fangen Rahmel und sein Team abends und nachts Fledermäuse ein. So können sie die Fledermausart, Größe und weitere Faktoren bestimmen. Die Fledermäuse werden häufig noch beringt, damit sie identifiziert werden können, werden dann aber sofort wieder freigelassen. Je nach Exemplar müsse man da schon aufpassen, denn „vor allem die größeren Fledermäuse haben auch entsprechend große, scharfe Zähne“, berichtete Rahmel. In Niedersachsen haben die Experten 19 verschiedene Fledermausarten aufgespürt, die großen Arten können schon einmal eine Flügelspannweite von 42 Zentimeter aufweisen. Und die eigentlichen „Flügel“ sind die Finger. Fledermäuse fliegen also mit den Händen, die eine dünne, aber robuste Flughaut verbindet.
Beeindruckend ist die Kommunikationsweise der seit über 50 Millionen Jahren existierenden Fledermäuse. Über Ultraschall verständigen sich die Säugetiere und daran nimmt sich sogar die Autobranche ein Beispiel: Die modernen Einparkhilfen funktionieren nämlich per Ultraschall.
Fakten erzählte Rahmel eine Menge, dem Publikum wurde es aber trotzdem nicht langweilig, denn jede Information präsentierte er mit einer Portion Humor und vielen Fotos aus dem Alltag eines Fledermausexperten.
Aber auch kritische Töne schlug der 54-jährige Experte an. Strukturreichtum sei enorm wichtig für die Fledermauspopulation und die schleichende Veränderung der Landschaft außerordentlich schädlich für die Tiere.
