GANDERKESEE - Vor oder zurück? Diese Frage stellt sich an diesem Wochenende auch wieder in Ganderkesee – denn in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag, 27. und 28. Oktober, wird die Uhr um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt – und alle Ganderkeseer können eine Stunde länger schlafen. Es sei denn, sie arbeiten im Schichtdienst, wie Michael Schäfer. Der ist Angestellter der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Ganderkesee und sorgt dort mit fünf Kollegen im Drei-Schicht-System dafür, dass die FTZ rund um die Uhr besetzt ist. Die NWZ hat bei ihm und anderen Bürgern nach den Auswirkungen der Zeitumstellung gefragt:

„Wer die Nachtschicht hat, ist einfach gekniffen“, erläutert Schäfer, wie an seinem Arbeitsplatz mit der „doppelten Stunde“ in der Nacht auf Sonntag umgegangen wird. Die Schicht hat dann nämlich nicht acht, sondern ausnahmsweise neun Stunden. „Aber wenn man Glück hat, bekommt man zufällig auch die Schicht im Frühjahr und macht dann ja nur sieben Stunden“, nimmt es Schäfer locker. Ansonsten gelte: „Die Kollegen haben ein Fünkchen Mitleid und dann hält man das schon aus.“

Ähnliches gilt für das Pflegedienstpersonal in der Fachklinik Stenum: „Auch bei uns müssen die Mitarbeiter eine Stunde länger Nachtwache machen“, schildert Pflegedirektorin Kirsten Stender. Schon im Januar würden auf den meisten Stationen die Nachtdienste für das gesamte Jahr verteilt, „die Kollegen einigen sich da stationsweise untereinander, das klappt eigentlich ganz reibungslos.“ Angst, dass die zusätzliche Stunde nicht erfasst und angerechnet wird, brauche niemand zu haben: „Die fällt nicht einfach so unter den Tisch“, so Stender.

Dass die Tiere in den Ställen der Landwirte ihre ganz eigene innere Uhr haben, erläutert Günter Westermann, Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes Hengsterholz-Havekost: „Zwar ist eine Zeitumstellung, besonders bei Milchkühen, immer mit kleinen Problemen verbunden, aber die Gewohnheiten pendeln sich wieder ein.“ Da die Kühe am Sonntagmorgen nach ihrer Rechnung eine Stunde später gemolken würden, seien sie schon etwas unter Stress: „Die Kühe produzieren in dieser einen Stunde rund einen Liter mehr Milch. Der Druck innerhalb des Euters steigt und sie können dadurch etwas unruhiger werden“, schildert er.

Landwirt Carsten Spradau aus Kamern hat die Erfahrung gemacht, dass es zwei bis drei Tage dauert, bis sich seine Milchkühe an die Zeitumstellung gewöhnt haben. Besondere Maßnahmen unternehme er jedoch nicht, berichtet Spradau: „Die Zeit verschiebt sich einfach.“


Anders sieht es bei Tieren aus, die automatisch gefüttert werden, weiß Günter Westermann. „Die Fütterung wird dabei jeden Tag um fünf Minuten nach hinten verschoben, so dass sich die Tiere anpassen können. Nach zwei Wochen hat man dann eine Stunde gewonnen“, erklärt er. „Bei Milchkühen ist das nicht möglich, da die Landwirte an die Abfuhrzeiten der Molkereibetriebe gebunden sind.“