Oldenburg - In Dawson City trafen sich um 1896 alle Goldgräber, Glücksritter und Minenspekulanten. Sie alle träumten von dicken Nuggets. Der Oldenburger Goldschmied, Abenteurer und Weltumsegler Bernd Mansholt (52) hatte schon als Jugendlicher deren Geschichten gelesen und für ihn stand fest: „Da will ich mal hin.“ Klondike und der Yukon spukten ihm immer im Kopf herum. Und da er zu den Menschen zählt, die ihre Träume nicht nur in der Fantasie leben, sondern sie auch verwirklichen, war es nur eine Frage der Zeit, wann er zum Goldschürfen aufbrechen würde.
Klar war nur, dass er nicht auf seinem Boot das Großsegel hissen und aus dem Oldenburger Hafen Richtung Norden segeln würde, wie etwa 2004 zur Weltreise oder 2013 mit der „Nis Randers“ Richtung Grönland. „Ich habe derzeit gar kein Schiff“, sagt Segler Mansholt, der diese Abenteuerreise mit seinem 17-jährigen Sohn Mike machen wollte. Anders als die Goldsucher damals, mussten sie keine wochenlange Schiffspassage reservieren, sondern konnten bequem einen Flug nach Vancouver in Kanada buchen.
Whitehorse heißt der internationale Flughafen im Yukon Territorium. „Da landen vor allem die Wanderer, die den „Trans Canada Trail“ gehen wollen“, berichtet Bernd Mansholt. Und die Stadt trage ihren Namen, da die Wellen des Yukon früher von weißen Schaumkämmen gekrönt wurden, die an Mähnen von Schimmeln erinnerten.
Und so liehen sie sich ein etwa 4,30 Meter langes Kanu aus, um über den Yukon Richtung Klondike und Dawson zu fahren. Sie verstauten ihre Vorräte in einer bärenfesten „Überlebenstonne und starteten mit dem Boot auf den etwa 400 Kilometer langen Weg, ohne Außenborder, nur mit Stechpaddel. „Dass ich auf Grönland viel mit dem Kajak unterwegs war, hat mir da sehr geholfen“, berichtet Mansholt über Stromschnellen. Und sein Sohn habe als Turner ein ausgeprägtes Körpergefühl, was ihm beim Austarieren des Bootes zugute kam. „Ich habe mich noch nie so abgeschieden gefühlt wie in dieser faszinierenden Wildnis“, erzählt Mansholt.
14 Tagen brauchten sie bis nach Dawson, fuhren vorbei an verlassenen Siedlungen, bauten ihre verschließbare Hängematte auf und legten auch manchmal wieder ab, wenn sie am Ufer die Abdrücke von Bärentatzen sahen, um lieber einen anderen Schlafplatz zu suchen.
In Dawson City angekommen, hätte man sich auch einem durch die Tourist-Information organisierten Ausflug anschließen können. Doch das war Mansholts Sache nicht. Sie liehen sich Rüttelbretter, Pfannen und Körbe aus und trampten zum Bonanza Creek, wo Claims für legales Goldwaschen freigegeben sind. Dort hockten sie sich drei Tage ans Wasser und wuschen Stunde um Stunde am legendären Klondike mit ihren Pfannen, unterhielten sich mit den alten Dachsen und spürten ein bisschen von der Faszination, wenn es in der Schale golden blinkte.
Noch heute hütet Mansholt seine Ausbeute in einer transparenten Schachtel: Kleiner als stecknadelkopfgroß sind seine zwei Nuggets: einer wiegt 0,0043 Gramm, der andere 0,0017 Gramm. „Aber selbst gewaschen“, sagt er und hat Respekt davor, was die Menschen früher für Strapazen auf sich genommen haben, um Gold zu schürfen.
Allerdings sei ihm auch bewusst geworden, wie sehr durch industriell abgebautes Gold die Landschaft zerstört werde. Seither engagiert er sich für fair gehandeltes Gold. Die Mini-Nuggets werden ihn immer an diese Reise erinnern, die damit endete, dass die beiden sich in Dawson Mountain-Bikes ausliehen, um auf dem 127 Kilometer langen „Top of the World-Highway“ noch nach Alaska – und damit über die Grenze zu den USA zu radeln. „Teilweise mussten wir schieben“, sagte er, „und wir haben den Flieger zurück nur knapp geschafft.“ Aber er würde es jederzeit wieder tun, meint er, und die winzigen Nuggets erinnern an den Goldrausch-Traum.
