Hiddigwardermoor - Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft wird oft kritisch gesehen. Doch Fungizide, Insektizide und Herbizide seien in der konventionellen Landwirtschaft ein wichtiger Garant für stabile Erträge, erklärt Renke Dählmann, der landwirtschaftliche Dienstleistungen in der Region anbietet.
Auch Landwirt Henning Wefer nimmt das Thema Pflanzenschutz nicht auf die leichte Schulter. Es gebe strikte Vorschriften und viele Kontrollinstanzen, wenn Fungizide, Insektizide oder Herbizide zum Einsatz kommen, stellt der Landwirt klar. „Wir müssen uns natürlich an die EU-Richtlinien halten“, so Wefer. Bei Nichteinhalten dieser Vorschriften drohen schwere Strafen. Doch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft hätte seinen schlechten Ruf zu Unrecht, sind sich Wefer und Dählmann einig.
Menge genau dosieren
Natürlich müsse verantwortungsvoll mit diesen Mitteln umgegangen werden. Die Mengen der verschiedenen Pflanzenschutzmittel würden aber in der Landwirtschaft genau dosiert. „Verglichen mit dem, was ein Hobbygärtner an Schneckengift oder ähnlichem in seinem Garten benutzt, sind unsere Dosierungen erheblich geringer, es wird nicht einfach wahllos gespritzt, sondern natürlich mit System“, erklärt der Landwirt.
Die Mittel und Techniken würden ständig weiter entwickelt, deshalb greift Wefer auf die Fachkenntnisse des Dienstleisters zurück. „Wir haben den gesamten Pflanzenschutz an Renke Dählmann abgebeben, da ich zum einen nicht das nötige Fachwissen, und zum anderen nicht die nötige Technik besitze, um diese Maßnahmen vorzunehmen“, so Wefer.
Dählmann muss regelmäßig an Fortbildungen zu Themen wie Pflanzenschutzmittel, Umweltschutz, Technik und vielem mehr teilnehmen. Seinen Besuch dieser Fortbildungen muss er bei den Behörden nachweisen.
Die Technik, die im Pflanzenschutz eingesetzt wird, sei inzwischen sehr weit entwickelt. Der Innenraum der Landmaschine, die die Spritzanlage und den großen Tank mit den Pflanzenschutzmitteln zieht, ist mit einem kleinen Computer ausgestattet. Darauf kann Dählmann genau nachverfolgen, welche Bereiche er bereits behandelt hat. Fährt er über einen solchen Bereich, schalten sich die Düsen automatisch ab. „So ist gewährleistet, das keine Fläche doppelt behandelt wird“, erklärt der Experte.
Auch ein Abstand zu Wassergräben lasse sich dort einstellen, so dass auch hier die Düsen in Grabenbereichen ausgeschaltet werden. Mit einem speziellen Programm auf seinem Smartphone dokumentiert Dählmann jeden Einsatz, auch das sei Vorschrift.
Erste Spuren entdeckt
Vor kurzem stand auf Wefers Hof die Fungizidbehandlung von Weizen an. Ein Pilzbefall drohe dort, sobald die Pflanzen drei Tage am Stück Regennässe ausgesetzt seien. Und tatsächlich, beim Begutachten der Pflanzen finden Dählmann und Wefer bereits die ersten Spuren des Pilzes. Der Einsatz von Fungiziden muss dann, so der Experte, innerhalb von zehn Tagen erfolgen. Sonst würden erhebliche Ernteausfälle drohen.
Im Ökolandbau sei der Ertrag ohne Pflanzenschutzmittel im Schnitt 50 Prozent geringer. „Man braucht also auch 50 Prozent mehr Fläche“, so Wefer. Die Qualität von ökologisch angebauten Produkten sei allerdings nicht höher, als die konventionell erzeugter Produkte, sagt er.
Nicht von der Hand zu weisen, bleiben allerdings die Rückstände, die in mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Produkten nachgewiesen werden. „Da besteht sicherlich noch Handlungsbedarf“, räumt Dählmann ein, doch die Rückstände würden natürlich so gering wie möglich gehalten. Und auch hier gebe es strenge Vorgaben und Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürften.
„Die Diagnostik wird immer präziser, deshalb wären auch sehr geringe Rückstände nachweisbar“, so Dählmann, doch die Grenzwerte würden dabei weit unterschritten.
