Garrel - Auf den Feldern im Landkreis Cloppenburg wird zu viel Gülle ausgebracht. Das geht aus dem jüngsten Nährstoffbericht des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums hervor. Die erneute Verschärfung der Düngeverordnung soll Abhilfe schaffen – stößt aber bei Landwirten auf Kritik. Diese äußerte Uwe Bartels, frisch wiedergewählter Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF), auf der Mitgliederversammlung in den Räumen des Futtermittelherstellers Fleming und Wendeln in Garrel. „Wir brauchen keine Verschärfung“, sagte Bartels. Wenn die jüngste Novelle so umgesetzt werde, „kriegen wir die Dinge in den Griff“.

Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, verwies auf die EU, die Deutschland wegen der Düngeverordnung (2006) und der seit Jahren erhöhten Nitratbelastung des Grundwassers verklagt hatte. Nichtstun sei keine Option. Dänemark habe die Reduktion der Nitratbelastung geschafft, die Niederlande zahlen für die Stilllegung von Schweineställen, um die Tierdichte zu reduzieren.

Kreislandvolk-Vorsitzender Hubertus Berges kritisieret die in Rede stehende pauschale Verringerung der Düngung um 20 Prozent in „roten Gebieten“ – also stark belasteten Regionen.

Aber auch aus Imagegründen „werden wir etwas tun müssen“, konterte Dr. Aeikens. Die Landwirte bräuchten nicht nur die politischen Zustimmung, sondern auch die gesellschaftliche. Immer mehr Menschen interessierten sich für die Frage: Wie werden Lebensmittel produziert. „Wir müssen Lösungen anbieten, um die Landwirtschaft ein stückweit aus dem Kreuzfeuer zu nehmen.“

Die Bindung der EU-Zahlungen an strengere Klima- und Umweltauflagen sieht Aeikens nach der Europawahl auf die Landwirte zukommen. Er zeigte sich aber optimistisch, dass die Direktzahlungen erhalten blieben.


Bei der betäubungslosen Ferkelkastration müssten Lösungen her: Die Fristverlängerung um zwei Jahre sei „sicher keine Absatzförderungsprogramm“ gewesen, für eine nochmaliger Verlängerung sieht Aeikens „keine Chance“ und fragt sich: Warum funktioniere in Deutschland nicht, was in Spanien oder England funktioniere. Für die Ebermast hegt er „große Sympathien“. Bis Jahresende kündigte er eine neue Nutztierhaltungsverordnung an.

Der Staatssekretär verteidigte das freiwillige staatliche Tierwohllabel vor Kritik. An Landwirte und Agrarwirtschaft appellierte er: „Seien sie offen dafür.“ 70 Millionen Euro, um die Einführung des Labels zu begleiten, seien „gut angelegtes Geld“, wenn sie zu einer starken „Marktdurchdringung“ führten. Die Chance dafür sieht Aeikens durchaus positiv, schließlich befürworteten 81 Prozent der Kunden ein unabhängiges staatliches Zeichen an den Fleischtheken, das 2020 mit den ersten Produkten auf den Markt kommen soll. Geflügelexperte Peter Wesjohann äußerte seine Bedenken: Das Label für Geflügel werde zu Problemen in ländlichen Regionen führen. Er plädierte für ein verpflichtendes EU-weites Label, das auch über die Haltungsbedingungen Auskunft gibt. „Das ist nicht mehrheitsfähig“, fasste Aeikens die Einstellungen in den EU-Ländern zusammen.

Der 70 Millionen Euro Werbeetat werde die konventionelle Haltung in Misskredit bringen, schimpfte Berges gegen das Tierwohllabel an. Skepsis gab es auch darüber, dass Konsumenten tatsächlich bereit seien, mehr Geld für Fleisch unter besseren Haltungsbedingungen auszugeben. In Österreich etwa hatte die geringere Besatzdichte in den Ställe dafür gesorgt, dass die Eigenversorgungsquote deutlich gesunken sei. Das dürfe in Deutschland nicht passieren, war man sich einig.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)