Garrel - Integration? „Die kann so nicht funktionieren“, ist Franz Kühling überzeugt. Ebenso wie viele im Bereich Bahnhofstraße, Wätkamp, Auf’m Halskamp, Industriestraße, Falkenberger Straße. „Integration ist schon im Vorfeld gescheitert“, sagt Theo Kettmann. Rund 340 zusätzliche Mitarbeiter vor allem aus Rumänien will die Großschlachterei Böseler Goldschmaus im Bezirk Peterswald oder an der Grenze dazu an vier Standorten in großen Unterkünften unterbringen, haben die Anwohner ausgerechnet. In gesamten Bezirk Peterswald wohnen gerade einmal 672 Einwohner –bedeutete also „ein Zuwachs von 50 Prozent an Einwohnern mit Migrationshintergrund“. „Diese Integrationsarbeit können wir nicht schaffen“, sagt Franz Kühling. Rund 50 Anwohner hatten sich am Mittwoch ausgetauscht, nachdem die konkreten Goldschmaus-Pläne bekannt geworden waren.
Das Integrations-Bemühen von Goldschmaus sehen sie kritisch, sogar für vorgeschoben. Rein wirtschaftliche Interessen seien ausschlaggebend. „Warum müssen die Arbeiter so dicht neben dem Unternehmen wohnen?“, fragt sich Klaus Hinxlage. Die von der Immobilientochter der Goldschmaus geplanten Bauvorhaben liegen in einem Radius von gerade einmal 520 Metern rund um Goldschmaus an der Industriestraße. Sie können den Arbeitsplatz zu Fuß erreichen.
Am Wätkamp an der Kreuzung zur Falkenberger Straße sollen nach Information der Anwohner 34 Wohneinheiten entstehen, 102 Mitarbeiter könnten dort untergebracht werden, so die Schätzungen. An der Bahnhofstraße auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Elsen sollen 44 Wohneinheiten entstehen, Platz für 108 Mitarbeiter. 53 könnten es in zwei Wohneinheiten am Standort Auf’m Halskamp direkt neben der Verwaltung von Lieken werden. Weitere 76 Golschmaus-Mitarbeiter sollen demnach an der Cloppenburger Straße in einem Gebäude untergebracht werden. Bedeutet: 138 Wohneinheiten mit fast 340 Bewohnern insgesamt. Mindestens. Denn dass tatsächlich nicht mehr Mitarbeiter als geplant einziehen, sei keineswegs sicher.
Es gehe nicht darum, die Unterkünfte komplett zu verhindern, betont Berthold Schönig. Unterkünfte ja, aber nicht in dieser Konzentration. Standorte deutlich verkleinern und besser über die Gemeinde und darüber hinaus verteilen – das sind die Forderungen der Anwohner gegenüber Goldschmaus. Denn in den kleinen Wohnungen, teils gerade einmal 16 Quadratmeter groß, sei es kaum möglich, eine Familie nachzuholen und unterzubringen oder gar eine Familie zu gründen. Für die Mitarbeiter, die sich langfristig in Garrel ansiedeln möchten, könnten diese Wohnungen somit nur eine Durchgangsstation sein, einhergehend mit hoher Mieterfluktuation.
Die Gemeindeverwaltung wollen die Anwohner nicht aus der Pflicht lassen. Von ihr erwarten sie auch Aussagen darüber, wann die Grenzen der Integrationsfähigkeit in einem Bezirk erreicht sind. Schlechte Erfahrungen habe die Gemeinde vor Jahren im Bereich „Alte Molkerei“ gemacht. Auch in Neubaugebieten achte man auf eine verträgliche Bebauung.
Kritisch sehen sie die Pläne alleine auch schon deshalb, weil einige der Anwohner schon vor Jahren an dem Standort Häuser bauen wollten. Sie erhielten allesamt Absagen, Begründung: Die Emissionen durch umliegende Bauernhöfe seien zu hoch.
