GARREL - Seit drei Jahren ist die Firma Kurmann Zerspanungstechnik in Garrel. Viele Aufträge kommen aus der Auto-Industrie.

von peter linkert

GARREL - Wenn heute Abend die Internationale Raumstation ISS ab 22.38 Uhr in vier Minuten das Firmament von West nach Süd-Südwest durchwandert, werden Franz Kurmann, Gattin Ina und vielleicht einige der 50 Mitarbeiter vielleicht sogar stolz in den Himmel schauen: Ein paar Teile der ISS sind schließlich in der Firma Kurmann Zerspanungstechnik gebaut worden, die vor drei Jahren von Cloppenburg nach Garrel umgesiedelt ist und am Koppelweg in Falkenberg neu gebaut hat.

Mittwochabend hatte der Betrieb Besuch von rund 25 Mitgliedern der CDU-Mittelstandsvereinigung, und Franz Kurmann erläuterte den Gästen den Betrieb. Die 50 Angestellten arbeiten in drei Schichten, was auf eine gute Auftragslage schließen lässt. „Wir sind sehr intensiv in die Automobil-Industrie hineingegangen“, so Kurmann, nachdem die Firma wegen der Abstürze der „Discovery“ und der „Ariane 5“ sowie des Anschlags vom 11. September 2001 wichtige Aufträge verloren hatte: „Da lief in der Raumfahrt gar nichts“, so Kurmann. Das hohe technische Niveau des Betriebs, der über die notwendigen Zertifizierungen für die bemannte Raumfahrt verfügt, ist natürlich noch vorhanden, und so werden jetzt Präzisionsteile für Autos gefertigt. In jedem 1-er, 3-er oder 5-er BMW sind Teile aus Falkenberg, in jedem Golf V, Passat und Touareg von VW, und in den Nutzfahrzeugen von Iveco, Volvo oder DAF sind sie auch zu finden: Spurstangen, Lenkstangen, Hülsen für die Lenkradsperre oder andere Kunstwerke, alles

auf Bruchteile von Millimetern gearbeitet.

Das alles geht nicht ohne entsprechende Technologie: Von der Simulationssoftware für die Fertigung von Bauteilen über hochwertige CNC-Drehmaschinen bis zur Rissprüfung und einer 3D-Koordinaten-Messmaschine wird am Koppelweg alles beherrscht. Was die Auftraggeber auch wollen, ob aus Titan, Edelstahl, Aluminium oder Kunststoff – bei Kurmann wird’s gebaut, und das Angebot ist komplett: Die Aufträge werden von der Beschaffung übers Projekt- und Qualitätsmanagement bis hin zur Dokumentation abgewickelt.


Beim Besuch am Mittwochabend war auch Garrels Bürgermeister Ludger Mayhaus dabei: „Ich war ja schon öfter hier“, sagt er, „aber es ist immer wieder beeindruckend“. Ob auch Mayhaus heute Abend in den Himmel schauen wird?