Garrel - Ein eigenes Unternehmen gründen? Oder ein Buch veröffentlichen? Von diesen Dingen träumen viele. Sarah Raker hat es einfach getan. Seit dem 1. November gibt es ihr mobiles Beratungsunternehmen „AllergieSicher“, das passende Buch dazu hat die Garrelerin vor kurzem fertiggestellt (siehe Infobox).
Sarah Raker ist seit ihrem 15. Lebensjahr gegen eine Vielzahl von Lebensmitteln und Inhaltsstoffen allergisch. „Farbstoffallergien, diverse Kreuzallergien zu Pollen und Äpfeln, Nüssen – die ganze Palette durch. Vor zwei Jahren kam eine Laktoseintoleranz dazu. Jedes Jahr schleicht sich etwas hinzu“, sagt die 26-Jährige – und lacht fröhlich. Über mehr als zehn Jahre hat sie Rezepte gesammelt und diese so abgewandelt, dass sie für sie als multiple Allergikerin ohne Gefahr zu genießen sind. Denn, anders als Unverträglichkeiten, etwa von Milch oder Gluten, können Allergien lebensbedrohlich sein. „Jeder Allergiker trägt ein Notfall-Set mit Adrenalinspritzen mit sich. Diese können Leben retten“, erzählt die Garrelerin.
Sach- und Rezeptbuch
Doch zurück zum Buch: Ziel der Rezeptsammlung war stets, die losen Zettel in einem Buch zusammenzuführen. Dieses soll anderen Betroffenen helfen, trotz Allergien und Unverträglichkeiten Spaß am Kochen und Essen zu finden, eben ganz, wie es der Titel schon sagt: „Lebenslust und Kochfreude mit Allergien“. Es ist Sach- und Kochbuch in einem, sagt Sarah Raker.
Im ersten Teil beschreibt sie die wichtigsten Allergien, Allergene, Unverträglichkeiten und Zusatzstoffe sowie deren Alternativen. Im zweiten Teil finden sich Rezepte, und zwar in der ursprünglichen Form, „für die, die keine Probleme haben“, so die junge Frau. Unter jedem Rezept führt sie alle darin enthaltenen Allergene auf und zeigt, welche Alternativen in dem Rezept verwendet werden können.
„Mein Herzblut steckt hier drin. Weil ich selbst betroffen bin, und weil es kaum Hilfe und Beratung von anderer Stelle gibt“, sagt Sarah Raker.
Das Herzblut steckt jedoch nicht allein im Buch, ist dies doch nur ein Teil von Sarah Rakers Mission: Die Idee, ein mobiles Beratungsunternehmen zu gründen, kam nicht plötzlich. Ihr Studium, in dem sie Wirtschaftsingenieurwesen mit Chemie- und Verfahrenstechnik kombinierte, zielte genau darauf ab: Wirtschaft für die Unternehmensführung, Chemie für das Wissen über Zusatzstoffe, Verfahren für die Kenntnisse über die Lebensmittelherstellung.
Das Buch „Lebenslust und Kochfreude mit Allergien“ gibt es an folgenden Orten zu kaufen: Buchhandlung Oltmann (Garrel), Papier und Mehr (Garrel), Tischlerei Raker (Garrel), Buchhandlung Terwelp (Cloppenburg), Buchhandlung Bültmann und Gerriets (Oldenburg) sowie online unter
Weitere Informationen sowie Termine finden Sie auf der genannten Website sowie auf dem Facebook-Auftritt von AllergieSicher:
Mit der Beratung zu allem rund um Allergien hat sich die junge Gründerin eine Marktlücke erobert, wie sie sagt. Sarah Raker berät nicht nur Privatpersonen, guckt sich deren Kochgewohnheiten an, geht mit ihnen einkaufen. Ein genauso wichtiger Teil ihrer Arbeit ist die Beratung von Gastronomen, der lebensmittelverarbeitenden Industrie sowie Schulen und Kindergärten. „Mitarbeiter in der Gastronomie haben oft wenig Ahnung und Verständnis für die Bedürfnisse von Allergikern“, weiß die Allergiefachfrau.
Sie möchte nun versuchen, Menschen, die in der Gastronomie arbeiten, klarzumachen, dass es nicht ausreicht, etwa die Mousse au Chocolat als allergenfrei zu deklarieren – wenn sie mit Nüssen, auf die viele Allergiker sehr wohl reagieren, dekoriert ist. Oder Bäcker dafür zu sensibilisieren, dass es für Allergiker problematisch ist, wenn das allergenfreie Graubrot von demselben Messer geschnitten wird, wie zuvor ein Nussbrot.
Aufklärungskampagne
In Schulen und Kindergärten macht Sarah Raker Aufklärungsarbeit, hat die Kampagne „Allergiefreiheit“ ins Leben gerufen. Diese soll dazu beitragen, dass Kinder wie Eltern und Lehrer Allergien erkennen und lernen, was im Notfall zu tun ist. Auch gibt sie Lehrern Tipps und Rezepte für Klassenfahrten. „Viele Allergikerkinder dürfen nicht mit auf Klassenfahrten, weil die Jugendherbergsküchen nicht sensibilisiert sind“, bedauert Sarah Raker. Oft würden diese Kinder gemobbt – wegen einer Allergie.
Sarah Raker hat noch mehr vor: Sie organisiert Koch- und Backevents, auf ihrer Facebookseite wird es ab Samstag einen Adventskalender geben, im kommenden Jahr möchte sie durch ganz Niedersachsen tingeln und Seminare geben. „Die Bücher laufen schon ganz gut. Das Unternehmen muss noch bekannter werden“, sagt sie, und hat doch gerade erst angefangen.
