Garrel - Die Aufregung am Samstag in Garrel war groß: Mitten durch den Ortskern lief ein Wildschwein. Bilder und Videos zeigen, wie das Schwein über die Hauptstraße an der Kirche entlang läuft, einen Abstecher zum Eingang des Jeans-Centers macht, dann hinter das OLB-Gebäude marschiert und von dort aus weiter über den Prozessionsweg.
Markus Göken, Leiter des Garreler Hegerings, war am Samstag selber nicht in Garrel, erfuhr nur von Jagdkollegen von dem seltenen Schauspiel. Dass sich ein Wildschwein in den Ortskern verirre, sei äußerst ungewöhnlich, meint Göken auf Nachfrage der NWZ. Über die Gründe könne man nur spekulieren. Von Drückjagden am Samstag im näheren Umkreis zum Ortskern, bei denen das Tier von seiner Rotte getrennt worden sein könnte, war dem Hegeringleiter nichts bekannt.
Eine andere Erklärung: die Maisernte. Denn Wildschweine durchziehen häufig auch Maisfelder. Dabei könnte das Tier vor einem Maishäcksler Reißaus genommen haben. Allerdings sind auch die meisten Maisfelder bereits abgeerntet. Wildschweine kommen in Garrel etwa im Peterwald, im Bereich Rote Erde oder auch am Baumweg vor. Von einer derzeit übermäßig hohen Wildschwein-Population könne aber aktuell nicht die Rede sein.
Dass mit einem Wildschwein – dieses hatte allem Anschein nach ein Gewicht von 50 bis 60 Kilogramm – nicht zu spaßen ist, konnten jüngst die Einwohner von Heide in Schleswig-Holstein erfahren. Dort hatten zwei aggressive Wildschweine vier Menschen angegriffen und verletzt. Die ausgewachsenen Tiere liefen durch die Straßen und drangen in eine Sparkasse ein. Jäger erschossen eines von ihnen, das andere Schwein flüchtete.
Der Abschuss sei nur auf Anordnung der Polizei oder des Kreisjägermeisters möglich, so Hegeringleiter Göken. Denn im Ortskern sei die Jagd wegen der Gefahr für Menschen verboten.
Wildschweine seien – anders als Rehe – keine Fluchttiere, erklärt Markus Göken. Er rät dazu, ihnen aus dem Weg zu gehen. Denn sie suchten sich ihren Weg, unabhängig davon, wer dort steht. „Wildschweine sind so ziemlich das Gefährlichste, was hier läuft.“ Mit ihren Eckzähnen können Keiler Menschen schwer verletzen. Vor allem Bachen, die ihre Frischlinge schützen wollen, oder verletzte Keiler seien eine große Gefahr. Wo das Garreler Wildschwein abgeblieben ist, weiß Göken nicht. Weitere Meldungen hatte es seit Samstag nicht mehr gegeben.
Die Kreisjägerschaft hat kürzlich zur vermehrten Jagd auf Wildschweine aufgerufen – auch revierübergreifend, um ein Ausbrechen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu verhindern.
