Garrel - Ab 2020 soll Getreide über die Schiene in die Mühle von GS Agri in Garrel angeliefert werden. Das bestätigte GS Agri-Sprecher Jürgen Focke auf NWZ-Nachfrage. Demnach seien die Planungen für die Wiederbelebung der Bahnanbindung „so gut wie abgeschlossen“, sagte Focke. Jetzt soll ein Förderantrag beim Bund aus dem Programm zur Gleisanschlussförderung gestellt werden.
Bevor aber ein bis zwei Vollzüge pro Woche in Garrel halten werden, steht noch ein umfangreiches Genehmigungsverfahren an. Planfeststellungsverfahren und auch eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (Bimsch) sind notwendig. Für den Gleisanschluss wird GS Agri auch eine neue Annahmehalle auf dem Gelände an der Petersfelder Straße/Wätkamp in Garrel errichten. Zudem müssen die Gleise verlängert werden.
„Das ist schon ein riesen Aufwand“, betont Focke. Das Futtermittelunternehmen habe sich diesen Schritt aber „gut überlegt“ und auch aus wirtschaftlichen Gründen dafür entschieden, ihn zu gehen. Denn die Züge sollen künftig die Getreideanlieferungen per Lkw ersetzen. Und die Rechnung ist schnell aufgestellt: Kann ein Lastwagen – zumeist werden Speditionen mit der Getreidelieferung nach Garrel beauftragt – nach Abzug des Eigengewichts noch rund 28 Tonnen laden, können mit einem Zug bis zu 2500 Tonnen transportiert werden. Zu Beginn sollen rund 100 000 Tonnen angeliefert werden, eine Steigerung bis auf 250 000 Tonnen jährlich soll möglich sein.
Logistisch soll der Güterzug mit einer Länge von mehr als 500 Metern auf dem Umschlagplatz in Garrel an der Dieselstraße halten. Dann werden die Waggons in drei Schüben zur GS Agri-Mühle gefahren und entladen. Mit „ein bis zwei Vollzügen“ pro Woche rechnet Focke zunächst.
Als „Schritt in die Zukunft“ bezeichnete der Sprecher die Entscheidung, durch die auch die Straße deutlich entlastet würde. Die Züge werden aus dem Süden und auch dem Osten Deutschlands Getreide nach Garrel liefern, aber auch aus dem nahen Ausland.
Das Vorhaben stellt auch die Friesoyther Eisenbahngesellschaft (F.E.G.) als Betreiber der Bahnstrecke vor große Herausforderungen. „Die Verkehre auf der Strecke müssen geordnet abgewickelt werden und es sind umfangreiche Rangierleistungen erforderlich“, hatte Geschäftsführer Dirk Vorlauf im Gespräch mit der NWZ mitgeteilt. „Allerdings bringen die Transporte uns auch regelmäßige Einnahmen.“
Dass sich die Belieferung über die Gleise sowohl ökologisch wie auch wirtschaftlich rechnet, belegen Unternehmen etwa im benachbarten Landkreis Emsland. Auch der Bund investiert in die Gleise. Zum einen werden stillgelegte Strecken im Land reaktiviert. Zum anderen plant der Bund Zuschüsse zu den Trassenpreisen zur Nutzung des Streckennetzes. Und weiterhin werden Investitionen der Eisenbahnverkehrsunternehmen in das Streckennetz umfangreich bezuschusst. Davon hatte auch die F.E.G. beim Bau der Verladestelle und des Abstellgleises in Garrel profitiert.
Damit werden künftig deutlich mehr Züge über die Strecke fahren. In Garrel werden bisher bereits Holz und Kies über die Schiene umgeschlagen. Gespräche für die F.E.G. mit weiteren Interessenten laufen, versichert Vorlauf. Diskussionen um die Verlängerung der Gleise bis an den C-Port am Küstenkanal gibt es in Friesoythe.
