Oldenburg - Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) kam unversehens unter Zeitdruck. Bei einem Besuch im Berufsbildungszentrum des Handwerkskammer Oldenburg (HWK) musste er am Donnerstag schnell wieder weg. Eine andere Sache war ins Zentrum gerückt: Es wartete eine Telefonkonferenz mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zur Gas-Krise, in der die zweite Eskalationsstufe ausgerufen worden war.
Aber seine Botschaft war mit Blick auf die Klimawende und nun nötigen kurzfristigen Maßnahmen beim Gas eindeutig: „Wir brauchen viele gut qualifizierte Handwerker!“
Heizung checken
Lies betonte angesichts der Zuspitzung beim Gas: „Wir müssen auch privat zu Einsparungen kommen.“ Dazu zähle die Absenkung der Zimmertemperatur – jedes Grad bringe fünf bis sechs Prozent Einsparung. Aber er glaube an ein weiteres Instrument: „Wir brauchen ein systematisches Programm zur Wartung der Heizungen im Wohnungsbestand.“ Ihm schwebt dafür eine Förderung vor. Auf einfache Weise, ohne eine neue Heizung einzubauen, ließen sich so vielleicht 20 Prozent des Gasverbrauchs sparen, meinte Lies, der auch für die Ressorts Energie, Bauen und Klimaschutz zuständig ist.
Aber sind die Betriebe nicht ohnehin schon überlastet? „Die Umsetzung ist möglich“, sagte Eckard Stein, der Präsident der Handwerkskammer Oldenburg. Er ist Chef eines Heizungs- und Sanitärbetriebes in Wilhelmshaven. Es gebe in vielen Betriebe eine gewisse zeitliche Flexibilität, erläuterte er: Manches Gerät, das eigentlich eingebaut werden solle, sei aktuell nicht wie geplant lieferbar. Da seien die Kollegen vielleicht froh, mehr Wartungen ausführen zu können.
Nach Erfahrungen von Stein sind Wohnungen oft sogar auf 22 und 23 Grad beheizt. Gehe man aber auf 20 Grad herunter, bedeute das leicht 18 Prozent weniger Gasverbrauch. Mit einem „zweiten Pullover“ könne viel erreicht werden. Auch kleine Maßnahmen könnten etwas bringen, wenn viele mitmachten, meinte HWK-Hauptgeschäftsführer Heiko Henke. Er regte eine Aufkleber-Aktion an wie: „Ich bin Energie-Sparer.“
Junge Leute gewinnen
Lies betonte die „extrem zentrale Rolle“, die das Handwerk bei der Lösung der Energieprobleme spiele. Sie müssten ja „vor Ort umgesetzt werden, von qualifizierten Fachkräften“. Der Minister appellierte an die Gesellschaft: „Wir müssen mehr junge Menschen für das Handwerk gewinnen.“ Die Vorstellung, das Akademische sei der einzige Weg, müsse aufhören, sagte er auch in Richtung Eltern. Viele seien „im Handwerk perfekt aufgehoben“. Zu den Fehlern, die gemacht worden seien, gehöre nicht nur die Abhängigkeiten etwa bei Energie oder bestimmten Komponenten. Sondern auch, dass zu wenige junge Leute für das Handwerk begeistert worden seien.
Der Bedarf dürfte noch deutlich steigen. Schließlich wird es um Millionen neuer Heizungen in Deutschland gehen – „vom Gas zum Strom“, wie Lies sagte. Auch in älteren Häusern gebe es Möglichkeiten etwa mit Wärmepumpen, betonte Kammerpräsident Stein. „Wir haben Speziallösungen für Spezialprobleme.“
