• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Gasthaus Block als Basis des Erfolgs

09.03.2012

HAMBURG Star­tet man mit Marlies Head zu einem Rundgang durch ihr schmuckes Hotel, so bleibt sie alle paar Augenblicke stehen – dann wird schon mal ein Sessel zurechtgerückt, eine Gabel für zu blass befunden oder auf der Dachterrasse eine Zigarettenkippe entdeckt. Und die Chefin findet heraus, wer eigentlich zuständig wäre. Sie kümmert sich auch immer wieder persönlich um Hotelgäste oder hilft im Restaurant aus. „Ich habe den Dienstleistungs- und Qualitätsgedanken mit der Muttermilch eingesogen“, sagt sie.

Und damit machte Marlies Head das „Madison“, ein Vier-Sterne-Superior-Hotel, zu einem der führenden Übernachtungsorte Hamburgs. „Wir sind oft ausgebucht“, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin stolz.

Außerdem hat sie mit ihrem Bruder Eugen Block die Steakhaus-Kette „Block House“ aufgebaut. An diesem Sonntag wird Marlies Head 70.

Das Fundament ihrer Karriere liegt in Harkebrügge im Kreis Cloppenburg. Dort wuchs Marlies mit sechs weiteren Kindern der Familie Block im gleichnamigen Gasthaus auf. „Von klein auf“, sagt sie, „war ich in der Rolle der Gastgeberin und Geschäftsfrau“. Das Mädchen zapfte Bier in der Gaststätte, richtete Gästezimmer her, verkaufte im angeschlossenen Laden alles von Nahrung bis Nägeln – und wurde von der Mutter auf Tugenden wie makellose Arbeit, Sauberkeit und Service für andere getrimmt.

„Wir waren ja quasi ein öffentliches Haus“, beschreibt Marlies Head die zentrale Rolle des Gasthauses Block im Dorfleben von Harkebrügge. Sogar ärztliche Rezepte wurden dort angenommen, und sie brachte die Arzneien auf dem Rückweg von der Schule in Friesoythe mit.

Für die 69-Jährige hängt an Harkebrügge „viel Herzblut“, sie ist mehrmals im Jahr dort. Doch einst zog es das junge Mädchen hinaus in die Welt.

Sie begann in Münster eine Lehre zur Hotelfachfrau im renommierten Ratskeller/Schloss Wilkinghege. Anschließend strebte die willensstarke junge Frau ins Ausland. Mit 20 Jahren (1962) wanderte sie in die USA aus. Marlies Head, die später in den feinen Kreis der großen Hamburger Hoteliers aufstieg, fing in den USA als Serviererin an. Dort lernte sie auch ihren Mann Arthur Head kennen (dessen Namen sie auch nach der Trennung behielt).

Nach Stellen in der Schweiz, Frankreich und wieder USA erfolgte ein entscheidender Schritt: Marlies Head heuerte in einem amerikanischen Steakhaus an. Die Art des Fleisch-Schnittes, die Gestaltung der Restaurants, das Besteck und die Dienstleistungsbereitschaft des Personals – das imponierte Marlies Head. Sie dachte sich: So etwas könnte man doch auch in Deutschland aufziehen!

Ihr Bruder, Eugen Block, hatte 1968 in Hamburg ein erstes „Block House“ eröffnet – und war begeistert. Schwester Marlies wurde Anfang der 70er Jahre Mitgesellschafterin und brachte Neuerungen aus den USA ein. So gilt es als ihr Verdienst, dass „Block House“ ein perfekt standardisierter Restaurant-Betrieb wurde – und das Personal extrem serviceorientiert. Marlies Head richtete die Restaurants einheitlich bis ins Detail ein, suchte die Mitarbeiter aus und baute das systematische Training auf. Bruder Eugen eröffnete neue Standorte, bis zu ihrem Ausscheiden 1991 mehr als 20 (heute sind es 41). Fünf Jahre, sagt Marlies Head, habe sie im stürmischen Wachstum keinen Urlaub gemacht. Dann trennten sich die geschäftlichen Wege der Geschwister.

Die Hotelfachfrau kehrte zu ihren Wurzeln zurück. In einer guten Hamburger Lage, zwischen Michel und Elbphilharmonie, konnte sie 1993 nach ihren Vorstellungen ein „schnuckeliges Hotel“, wie sie sagt, mit 166 Zimmern aufbauen. Es ist jetzt fast 20 Jahre alt – sieht aber aus wie neu. Ständig wird etwas verbessert. Sie müsse eben nicht wegen jeder kleinen Investition in einer Konzernzentrale anrufen, freut sich Eigentümerin Marlies Head.

Das „Madison“, sagt die Chefin stolz, sei „vom ersten Tag an gelaufen“. Zu den Besonderheiten zählt neben einem gediegenen Mittagstisch, dass ein Teil der 166 Zimmer mit Kochzeile und Kühlschrank ausgerüstet sind. Solche Zimmer nutzen Dauergäste, die Monate oder gar ein Jahr bleiben. Sie fühlen sich vom 80-köpfigen „Madison“-Team offenbar gut umsorgt, auch von der Chefin.

Marlies Head ist weiterhin jedes Detail wichtig, sie liebt Ordnung und Fleiß. Gleichwohl hat sie Verantwortung an Mitarbeiter wie ihre rechte Hand, Direktor Thomas Klei-nertz, übertragen. Inzwischen gewährt sie sich auch mehr Freizeit: Golf, Reisen, Bridge stehen dann auf dem Programm. Gelegentlich sieht man die „Madison“-Chefin auch an der Alster joggen. Mancher dreht sich um, erkennt sie. Denn Marlies Head gehört mit ihrem Partner Klaus Gerresheim zur „Society“ der feinen Hansestadt.

Aber ihre Gedanken kreisen stets um das Hotel. „Ich bin gern Gastgeberin“, sagt Marlies Head aus Überzeugung. „Seit 53 Jahren bin ich in der Branche. Und ich habe es nicht einen Tag bereut.“

 @ Weitere Folgen der Serie:   http://www.nwzonline.de/wirtschaftskoepfe

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

Weitere Nachrichten:

Head | Ratskeller

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.