Leipzig/Oldenburg - Der russische Staatskonzern Gazprom sucht einen Käufer für seine Anteile am Leipziger Ferngasunternehmen Verbundnetz Gas AG (VNG). Die Russen halten an dem größten ostdeutschen Unternehmen 10,52 Prozent.

Schon in den vergangenen Tagen hatte es, wie berichtet, Spekulationen um einen Ausstieg gegeben. Nun bestätigte Gazprom seinen Rückzug und begründete die Entscheidung mit fehlenden Einflussmöglichkeiten bei der Leitung von VNG. Keine Angaben machte das Unternehmen bislang darüber, an wen es seine Anteile veräußern will. Gazprom erhofft sich dem Vernehmen nach Einnahmen von rund 200 Millionen Euro.

Als möglicher Käufer infrage käme die EWE. Der Oldenburger Energieversorger hatte erst 2014 einen VNG-Anteil von 15,79 Prozent vom Erdöl- und Erdgasproduzenten Wintershall (Kassel) übernommen und ist mit 63,69 Prozent Hauptaktionär in Leipzig. Wie aus Branchenkreisen zu erfahren war, hat EWE zudem ein Vorkaufsrecht auf den Gazprom-Anteil.

Auf Anfrage teilte ein EWE-Sprecher am Dienstag mit, dass man sich nicht an Spekulationen beteiligen wolle. „Eine generelle Entscheidung darüber, ob wir unsere VNG-Anteile langfristig halten oder veräußern wollen, ist bisher nicht gefallen“, sagte er und erneuerte damit die Aussage aus der Vorwoche. Durch einen Verkauf seiner Anteile könnte EWE immerhin auf eine Einnahme in Milliardenhöhe hoffen.

Weiterer Anteilseigner an VNG ist neben EWE und Gazprom mit einem Anteil von 25,79 Prozent die VNG Verbundnetz Gas Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft (VUB), ein Zusammenschluss von neun ostdeutschen Kommunen.


Im vorigen Jahr erzielte die VNG einen Jahresüberschuss von 184 Millionen Euro (2013: 89 Millionen Euro). Allerdings beruhte dies laut Vorstand maßgeblich auf dem Verkauf einer Beteiligung. Der Konzern-Umsatz um fiel eine auf 10 Milliarden Euro.

EWE war 2003 für rund eine Milliarde Euro bei VNG eingestiegen, nachdem die Oldenburger u.a. Anteile von Eon Ruhrgas übernommen hatten. Gab es anfangs viel Lob und große Pläne für diese Partnerschaft zwischen Ost und West, kam es im Laufe der Zeit immer häufiger zu Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung. Diese gipfelten darin, dass EWE-Chef Werner Brinker 2007 nicht als VNG-Aufsichtsratschef wiedergewählt wurde, obwohl es eine Konsortialvereinbarung mit den kommunalen Anteilseignern gab.

Versuche der EWE, sich die Mehrheit an VNG zu sichern, scheiterten in der Folge vor allem am Widerstand einiger ostdeutscher Kommunen und Politiker.

Erst 2014 konnte EWE nach der Einigung mit Wintershall doch noch dieses Ziel erreichen. Frei agieren kann der Oldenburger Versorger trotzdem nicht, weil die VUB eine Sperrminorität besitzt, mit der sie wichtige Entscheidungen blockieren kann.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft