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Seinen 90. Geburtstag wird Nelson Danziger heute mit seinem Freund Günter Storck noch in Wilhelmshaven feiern. Dann fliegen die beiden gemeinsam nach New York, wo der Jubilar zu Hause ist. Zwei Monate werden die Männer dort verbringen, bevor sie sich dann wieder auf den Weg zurück nach Wilhelmshaven machen. Denn Günther Storck hat sein Leben dem besten Freund verschrieben und kümmert sich seit dem Tod von dessen Schwester um den alten Mann.Und so pendeln die Freunde seit August 2003 immer zwischen Wilhelmshaven und New York hin und her. Das macht dem 90-Jährigen Danziger nichts aus, er hat 40 Jahre bei der Fluggesellschaft PanAm gearbeitet und ist das Fliegen gewohnt. „Da ist das Reisen für mich schon anstrengender“, gesteht der um etliche Jahre jüngere Storck.
Dass der New Yorker und der Wilhelmshavener zu einer Art Schicksalsgemeinschaft geworden sind, hat seinen Grund. Denn ihre Geschichte ist die Geschichte einer Freundschaft, wie sie im Buche steht: In den fünfziger Jahren wanderte Günther Storck aus Middelsfähr in die USA aus, um sein Glück zu suchen. In New York begann er, bei PanAm zu arbeiten.
Dort lernte er den Amerikaner Nelson Danziger kennen. Danziger war sein Vorgesetzter und wohnte außerdem in der gleichen Straße im Stadtteil Queens. Eine enge Freundschaft entwickelte sich zwischen den beiden Männern, die sich schon bald gegenseitig besuchten und gemeinsam Reisen auf der ganzen Welt unternahmen. Auch als Storck einige Jahre später wieder nach Deutschland zurückkehrte, um bei einer Speditionsfirma zu arbeiten, brach der Kontakt nie ab.
Richtig zusammengeschweißt wurden sie durch ein Unglück vor etwa fünf Jahren: Als Danziger im November 1999 mit seiner Schwester Shirley den deutschen Freund in Middelsfähr besuchte, stürzte der betagte Amerikaner in der Nacht und verletzte sich dabei schwer.
Mit einem Schädelbasisbruch, gebrochenen Rippen und einem gebrochenen Brustwirbel lag er im Sanderbuscher Krankenhaus wochenlang im Koma.
Als der New Yorker wieder erwachte, war er zwar ansprechbar, hatte aber sein Gedächtnis verloren. Und es sollte noch schlimmer kommen – Danziger konnte in seinem Zustand nicht ohne weiteres wieder in die USA zurück. Nach dreieinhalb Monaten konnte der Kranke dann endlich doch per Krankentransport nach Hause gebracht werden.
Nach diesem Erlebnis flog Storck immer öfter zu seinem Freund nach Amerika, um sich gemeinsam mit dessen Schwester um ihn zu kümmern.
Langsam erholte sich Nelson Danziger von seinen Verletzungen, und auch sein Gedächtnis kam wieder zurück. Als die Schwester dann starb, beschloss Günther Storck, ganz für seinen kinderlosen Freund da zu sein.
Heute geht es dem rüstigen Senior aus New York wieder gut. Gemeinsam mit seinem Wilhelmshavener Freund ist er viel auf Reisen, pflegt Kontakte zu Bekannten und Verwandten und genießt seinen Lebensabend.
