Nordenham - Die Zufahrt befindet sich an der Schillerstraße, und die Goethestraße ist nur einen Steinwurf entfernt. Schon aufgrund ihrer Lage im Dichter- und Denkerviertel drängt sich die Idee auf, die ehemalige Leichenhalle der Stadt Nordenham für kulturelle Zwecke zu nutzen. Diese Anregung, die der FDP-Ratsherr Manfred Wolf im November vorgetragen hatte, stößt in der Kulturszene durchaus auf Interesse. Allerdings sehen sowohl der Kunstverein als auch die Goethe-Gesellschaft finanzielle Probleme.
1905 errichtet
Das denkmalgeschützte Gründerzeitgebäude mit seinem markanten Vorplatz gilt als architektonisches Kleinod. Reizvoll sind zudem das idyllische Umfeld mit dem Museumspark und dem Lutherplatz sowie die Nähe zum Nordenham-Museum. Das 1905 errichtete Hauptgebäude ist 71 Quadratmeter groß und diente zuletzt als Andachtsraum. Hinzu kommen zwei Anbauten aus den Jahren 1934 und 1968, die 99 und 68 Quadratmeter groß sind. Die Stadt hatte die Immobilie 2010 an einen Investor veräußert, der es an ein Bestattungsunternehmen verpachtete. Aber weil der Käufer seine Verpflichtungen nicht erfüllte, fiel die Leichenhalle im Sommer 2014 wieder zurück in das Eigentum der Stadt Nordenham. Seitdem laufen neue Überlegungen zur künftigen Verwendung.
Die Vorsitzende des Kunstvereins Nordenham, Jane Agena, findet den Gedanken, das Baudenkmal als Kulturhaus zu nutzen, „sehr interessant“. Sie könnte sich gut vorstellen, dort Ausstellungen, Vorträge oder Versammlungen abzuhalten. Auch die Nähe zum Museum sieht sie als einen Pluspunkt an. Im Vorstand des Kunstvereins ist laut Jane Agena schon viel über die „spannende Idee“ diskutiert worden. Allerdings komme es für den Kunstverein aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Betracht, die Leichenhalle zu übernehmen.
Jane Agena verweist darauf, dass zu den Öffnungszeiten der Kunstausstellungen eine Aufsicht gewährleistet sein müsse. Und weil der etwa 130 Mitglieder zählende Verein diesen Personaleinsatz nicht ehrenamtlich aufbringen könnte, müssten Honorarkräfte angeheuert werden. Die damit verbundenen Ausgaben würden die finanziellen Möglichkeiten des Kunstvereins weit überfordern.
Solche Probleme hat der Verein in seinem jetzigen Domizil im Anbau des Alten Rathauses nicht. Der nicht besonders große, aber kostenfrei zur Verfügung gestellte Raum gehört der Gemeinnützigen Nordenhamer Siedlungsgesellschaften (GNSG), die zu ihren Geschäftszeiten die Aufsicht übernimmt.
Grundsätzlich begrüßt Jane Agena auch die Stiftungsidee und die damit verbundene Zusammenarbeit der Nordenhamer Kultureinrichtungen. Doch auch dabei wäre die Finanzierung des Aufsichtspersonals ein Problem.
Im Kunstverein macht noch eine andere Nutzungsvariante die Runde. Dabei handelt es sich um die Idee, in der früheren Leichenhalle ein Museum für regionale Kunst anzusiedeln. Die Trägerschaft könnten die Stadt Nordenham und/oder der Landkreis Wesermarsch übernehmen. Mit der Auslagerung einer Verwaltungsstelle wäre es möglich, eine Aufsicht vorzuhalten.
Nicht als Eigentümer
Die Goethe-Gesellschaft Nordenham wäre nicht abgeneigt, Veranstaltungen in dem Gründerzeitgebäude auszurichten. Vorsitzender Burkhard Leimbach und sein Stellvertreter Stefan Tönjes sprechen sich allerdings gegen einen Erwerb der Immobilie aus, weil sie die finanziellen Belastungen für zu hoch halten. „Eine Nutzung ist für uns durchaus vorstellbar“, sagt Stefan Tönjes, „aber nicht als Eigentümer.“
