Cloppenburg - Der Milchpreis hat 20 Prozent zugelegt, die Schweinemäster reißen sich um jedes inzwischen fast 90 Euro teure Ferkel, weil sie inzwischen 30 Prozent mehr als Anfang 2016 für das Kilo Schlachtgewicht erhalten. Und angesichts der noch deutlicher steigenden Preise für Schlachtsauen gehen manche Wursthersteller (Astro, Marten und Lutz mit dem Tochterbetrieb Artland Convenience in Badbergen) in die Knie. Nur die Puten- und Hähnchenmäster profitieren nicht.

Aussagen zur künftigen Entwicklung der Geflügelhaltung in Deutschland traf Dr. Vinzenz Bauer, Marktreferent der Landwirtschaftskammer am Donnerstagabend beim Fachforum Geflügel in der Cloppenburger Münsterlandhalle. Der deutsche Hähnchen- und Putenmarkt stagniere mit den Marktführern PHW (2,4 Mrd. Umsatz), Rothkötter (1,04 Mrd.), Sprehe (800 Mio.), Heidemark (650 Mio.) und Plukon (540 Mio.) auf hohem Niveau, zahle aber um 10 Cent (Hähnchen: 84 Cent) beziehungsweise 20 bis 30 Cent (Puten: 1,19 Euro) niedrigere Preise als noch 2014. So falle es den Hähnchen- und Putenhaltern schwer, weitere Auflagen zu erfüllen. Das Verbandsklagerecht erhöhe den Aufwand für Baugenehmigungen, die Nationale Nutztierstrategie der Agrarministerkonferenz habe Kostenfolgen. „Aber dann gibt es wenigstens keine Alleingänge der Bundesländer.“

Neben den enormen auch wirtschaftlichen Folgen der Geflügelpest, die allerdings die Hähnchenbetriebe nur am Rande belastet hatte, war denn auch die politische Gemengelage Thema. So wie die Schweine- und Milchpreise steigen, fallen die Umfragewerte der Grünen, freute sich mancher Besucher. In Saarland, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gehören grüne Agrar-Ressortchefs, die in der Agrarministerkonferenz einst die Mehrheit stellten, schon der Vergangenheit an. In NRW wird Christine Schulze-Föcking als Remmel-Nachfolgerin gehandelt. Die Ackerbäuerin und Schweinemästerin aus Burgsteinfurt ist auch den meisten niedersächsischen Agrarexperten keine Unbekannte.

Dafür las in Cloppenburg ein bisher eher unbekannter Verbandsfunktionär der Politik kräftig die Leviten. Hermann Albers aus dem Friesoyther Stadtteil Neulorup vertrat Friedrich-Otto Ripke, Staatssekretär a. D. und Vorsitzender der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft. Er verlangte Perspektiven, damit die nächste Generation auf den Höfen gesichert werde. Er kritisierte die „öffentliche Diffamierung durch die Politik“ auch durch Niedersachsens Agrarminister Meyer, „der sich nicht vor seine Betriebe stellt“. Alleingänge der Politik seien für das Höfesterben verantwortlich. Dabei würde der Einsatz der Mäster zum Beispiel bei der Halbierung des Antibiotika-Einsatzes oder bei der Beendigung der Tötung von männlichen Eintagesküken nicht honoriert. „Die konventionelle Landwirtschaft wird permanent der kleinen Gruppe der Biobetriebe unter geordnet“, so Albers als stellvertretender Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbandes unter Zuschauer-Applaus.