• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Gegenwind für Schiffsdrachen

11.02.2012

HAMBURG Die Erwartungen waren groß. Mit einem riesigen Zugdrachen als treibstoffsparenden Zusatzantrieb wollte die 2001 gegründete Hamburger Firma Sky-Sails die Schifffahrt revolutionieren. Nun ist das innovative Unternehmen selbst in schwere Turbulenzen geraten.

Ende Januar wurde der Hälfte der 80 Mitarbeiter von Sky-Sails gekündigt. „Das war für uns ein harter Einschnitt und ist uns sicherlich nicht leicht gefallen“, sagte Unternehmenschef Stephan Wrage am Freitag dieser Zeitung.

Banken zurückhaltend

Hauptgrund für die schwierige Situation sei die Flaute in der Branche insgesamt. „2012 wird für die Schifffahrt ein schwieriges Jahr“, sagt Wrage. „Und auch hinter 2013 steht ein großes Fragezeichen.“ Vielen Reedern falle es derzeit schwer, größere Investitionen zu tätigen. Obendrein hielten sich die Banken bei Finanzierungen zurück. Bei Sky-Sails häufen sich indes Verluste im Millionenbereich an.

Vor knapp einem Jahr hat Wrage den letzten Zugdrachen verkauft. Vier befinden sich derzeit weltweit auf Frachtern und Fischtrawlern im Einsatz, unter anderem bei der emsländischen Reederei Wessels.

Den ersten großen Einsatz hatte das Schiffsdrachensystem 2008 auf dem Mehrzweckfrachter „Beluga Skysails“ der inzwischen insolventen Bremer Beluga-Reederei gehabt. Zur Taufe des 132 Meter langen Schiffs war sogar Eva-Luise Köhler, Frau des damaligen Bundespräsidenten, angereist.

Ende Januar 2008 stach die „Beluga Skysails“ ausgestattet mit einem 160-Quadratmeter-Segel von Bremerhaven aus in See und erreichte rund zwei Wochen später planmäßig ihren Zielhafen in Venezuela. Beluga-Chef Niels Stolberg zeigte sich ebenso wie der Hersteller sehr angetan von der Jungfernfahrt. Rund 15 Prozent Treibstoff seien eingespart worden.

Größe verdoppelt

Das Schiff ist unter dem Namen „BBC Skysails“ auch heute noch für die Leeraner Briese-Gruppe im Einsatz. Mittlerweile baut Sky-Sails doppelt so große Drachen. „Bis zu drei Tonnen Öl lassen sich damit pro Tag einsparen“, rechnet Wrage vor. Angesichts steigender Treibstoffpreise zeigt er sich auch deshalb weiterhin überzeugt von dem System. „Windkraft hat in der Schifffahrt eine Zukunft“, sagt er. Dies würden ihm auch Reeder immer wieder bestätigen.

Konzentrieren will er sich angesichts der schweren See, in der sich die Firma befindet, aber jetzt zunächst vor allem auf kleinere Projekte, die gut nachgefragt würden. So habe Sky-Sails ein Computer- und Sensorsystem entwickelt, das auf See in Echtzeit errechnet, bei welcher Geschwindigkeit das Schiff am profitabelsten ist und so die Effizienz des Schiffsbetriebs steigert. Gemeinsam mit der Firma Solar Water World entwickelt Sky-Sails zudem eine emissionsfreie Yacht, die sowohl mit Solarenergie als auch mit Zugdrachen angetrieben werden kann.

Von einer drohenden Pleite will Wrage mit Blick auf diese Projekte deshalb auch nichts wissen. „Wir haben nicht deshalb eine harte Restrukturierung eingeleitet, um dann Insolvenz anzumelden“, sagt er.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2041
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.