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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Bestmarken für deutschen Export

08.02.2019

Wiesbaden (dpa) - Handelpolitische Stürme und die Abkühlung der Weltkonjunktur haben Kratzer in der deutschen Exportbilanz 2018 hinterlassen. Zwar stiegen die Ausfuhren das fünfte Jahr in Folge auf einen Rekordwert, das Wachstumstempo verlangsamte sich aber deutlich.

Ausgeführt wurden Waren im Wert von 1317,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Das war ein Plus von 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2017 waren die Exporte noch um 6,2 Prozent gestiegen.

"Hier merkt man, dass die internationalen Krisen und die konjunkturelle Eintrübung ihre Spuren hinterlassen", erklärte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann. Für dieses Jahr rechnet der BGA mit einem Export-Anstieg um bis zu drei Prozent. "International schwebt nicht nur das Damoklesschwert der handelspolitischen Streitigkeiten zwischen den USA und China über uns", erläuterte Bingmann. Beide Länder sind wichtige Exportmärkte für Waren "Made in Germany". Auch ein möglicher Brexit ohne Vertrag könnte Auswirkungen auf Firmenentscheidungen haben, sagte Bingmann.

Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) warnte allerdings vor zu großem Pessimismus. Zwar lauerten große Risiken am Horizont - etwa, wenn der Brexit tatsächlich ohne Ausstiegsvertrag verlaufen sollte. "Es ist aber nicht die Zeit, in tiefen Pessimismus zu verfallen." Der Kern der deutschen Konjunktur sei derzeit die Binnennachfrage, getragen von einem starken privaten Verbrauch, der nach wie vor intakt sei. Carsten Brzeski, ING-Chefvolkswirt Deutschland, verwies auf den robusten deutschen Arbeitsmarkt.

Die Importe stiegen im vergangenen Jahr um 5,7 Prozent auf den Rekordwert von 1090,0 Milliarden Euro. Sie legten stärker zu als die Ausfuhren. Dadurch verringerte sich der Überschuss Deutschlands im Handel mit anderen Ländern in der Außenhandelsbilanz um rund 20 Milliarden auf 227,8 Milliarden Euro. Europas größte Volkswirtschaft exportiert seit Jahren mehr als sie einführt. Das sorgt bei Handelspartnern für Kritik, vor allem bei US-Präsident Donald Trump.

Die meisten Waren "Made in Germany" gingen auch 2018 in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). Der Export legte um 3,8 Prozent auf 778,7 Milliarden Euro zu. Im Geschäft mit Großbritannien machten sich allerdings Unsicherheiten bemerkbar. Die Ausfuhren in das Land sanken den vorläufigen Daten zufolge um 4,0 Prozent.

Wichtigster Einzelmarkt waren erneut die USA. In das Land gingen Waren im Wert von 113,5 Milliarden Euro (plus 1,5 Prozent) - trotz der vor allem von US-Präsident Trump angeheizten internationalen Handelskonflikte. Das Export-Geschäft mit China wuchs um 8,1 Prozent, obwohl sich das Wirtschaftswachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt abgeschwächt hatte.

Einen Dämpfer erhielten 2018 auch die exportorientierten deutschen Maschinenbauer. Die Schlüsselindustrie verfehlte mit einem Anstieg der Produktion um 2 Prozent ihr selbstgestecktes Ziel von 5 Prozent deutlich, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. Vor allem zum Jahresende lief es schlechter als erwartet. "Dies passt ins Bild der gesamten Industrie, die unter den geopolitischen Verunsicherungen leidet", erläuterte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Hinzu kamen teilweise Kapazitätsengpässe unter anderem wegen Materialknappheit.

Auch die Metall- und Elektro-Industrie wuchs schwächer als erwartet. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes stieg die Produktion im Jahresschnitt um 1,4 Prozent. Das liege deutlich unter den Erwartungen von Anfang 2018, sagte Gesamtmetall-Chefvolkswirt Michael Stahl. Ursache sei unter anderem die schwächere Nachfrage aus dem Ausland. "Es wird zudem immer klarer, dass der Gipfel des Konjunkturzyklus überschritten ist und wir uns auf schwächeres Wachstum einstellen müssen." Für dieses Jahr rechnet Gesamtmetall mit einem Produktionsplus von etwa 1,0 Prozent.

Die deutsche Elektroindustrie erzielte 2018 einen Rekordumsatz von 195 Milliarden Euro (plus 1,9 Prozent), wie der Branchenverband ZVEI mitteilte. Allerdings hatte der Verband im Januar noch mit etwas mehr Umsatz gerechnet. Er ging damals von 197 Milliarden aus. In diesem Jahr rechnet die Elektroindustrie mit einem Umsatzanstieg auf mehr als 200 Milliarden Euro. Die Produktion soll bereinigt um Preiseffekte um 1 Prozent wachsen.

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