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Große Sommerserie Altes Handwerk täglich neu erlebbar

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Willi Baumann

GEHLENBERG - Auf einer kleinen Anhöhe steht das Wahrzeichen der Ortschaft Gehlenberg im Kreis Cloppenburg. Es ist eine 172 Jahre alte Kornwindmühle. Der Platz rund um die Mühle hat sich nach und nach zum Dorfmittelpunkt entwickelt. In den vergangenen Jahren wurde in unmittelbarer Nähe fast ausnahmslos in Eigenarbeit ein Backhaus errichtet, ein Heimatmuseum ins Leben gerufen und ein historisches Sägewerk in Betrieb genommen.

„Hier ist der prägende Platz im Ort. Hier dokumentieren wir die Geschichte des Dorfes“, sagt Wilhelm Olliges, Vorsitzender des Heimatvereins Gehlenberg-Neuvrees-Neulorup. 5000 Arbeitsstunden haben viele freiwillige Helfer in das Ensemble auf dem Mühlenberg investiert. Freiwilligkeit, Ehrenamt, das sind ohnehin die entscheidenden Begriffe, die die Dorfgemeinschaft am besten beschreiben, sagt der Ortsvorsteher Hans Meyer.

Ehrenamtlicher Einsatz

Viele Projekte seien ohne das ehrenamtliche Engagement der Gehlenberger in diesem Maße nicht realisierbar gewesen, ist Meyer überzeugt, und zählt als Beispiele die Turnhalle, den Sportplatz, den Kirchplatz und eben das Mühlengelände als Beispiele auf. Ein Einsatz, der sich gelohnt hat. Die Kommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ kürte Gehlenberg jüngst zu eines der vier schönsten Dörfer im Landkreis Cloppenburg. „Wir haben hier alles, was nötig ist“, verweist Meyer auch auf die gute Infrastruktur des Ortes. So sind unter anderem Kindergarten, Grundschule, Nahversorger, Gastronomie und ein reges Vereinsleben vorhanden. Wirtschaftlich geprägt ist Gehlenberg von der Landwirtschaft. Zudem haben sich 100 Handels- und Gewerbebetriebe unter anderem aus der Baubranche etabliert.

Die Ortschaft im Hümmling feiert im kommenden Jahr ihr 225-jähriges Bestehen. Ein Ereignis, dem schon jetzt entgegengefiebert wird. Die Vorbereitungen darauf laufen bereits.

Unter Fürstbischof Maximilian Franz von Münster begann 1788 eine planmäßige Kolonisation der weiten emsländischen Moor- und Heideflächen, die der Landesherr in diesem entlegenen Teil seines Territoriums (Amt Meppen im Niederstift Münster) aus militärisch-politischen (zur Grenzsicherung gegen die benachbarten Niederlande) und wirtschaftlich-sozialen Gründen (zur Gewinnung neuer Siedlungsplätze) angeordnet hatte. Insgesamt wurden 14 Kolonien auf links- und rechtsemsischem Gebiet gegründet, darunter die Kolonie Gehlenberg am Nordostrand des Hümmlings.


Gründungsjahr 1788

Ihr Gründungsdatum ist der 30. August 1788, als 30 „Plaatzen“ am Rande der als „Gele(n)berg“ bezeichneten Geestinsel mit einer Fläche von je 31 Vierup Saat (circa fünf bis sechs Hektar) an Neusiedler verlost wurden.

Eine kontinuierliche Entwicklung dieser Moorkolonie war in den ersten Jahren jedoch nicht möglich, da die Markengrenzen in diesem Bezirk zwischen den einer Ansiedlung ablehnend gegenüberstehenden Altbauern aus Lorup einerseits und denen aus Bockholte, Harrenstätte und Werlte andererseits umstritten waren und beide Parteien mit juristischen Mitteln, aber auch durch Handgreiflichkeiten um ihre Rechte und Vorteile kämpften.

Eine dauerhafte Besiedlung setzte auch erst 1809 ein. Buchweizenanbau, Torfstich und Schafhaltung bildeten in der Anfangszeit die Ernährungsgrundlage für die Kolonisten, die in einfachen Plaggenhütten ein kärgliches Dasein fristeten.

1835 zählte die Kolonie erst 382 Bewohner in 66 Wohnhäusern; ihre Zahl stagnierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei gut 500 und überstieg erst nach dem Zweiten Weltkrieg – unter Einschluss von Neulorup – die 1000 (1950: 1102, darunter 150 Flüchtlinge und Vertriebene).

Landwirtschaft prägt

1949 war die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf 152 gestiegen. 1986 gab es nur noch 95 Betriebe. Der Ort hat sich von seiner rein landwirtschaftlichen Prägung zu einem Wohnort für Berufspendler und Standort für insbesondere mittelständische Gewerbe entwickelt, was durch die Ausweisung zweier Gewerbegebiete an der Straße nach Neulorup (um 1990) und an der Straße nach Neuscharrel (2001) gefördert wurde.

Unter den im Ort ansässigen handwerklichen Betrieben und Firmen ist die Fleischwarenfabrik und Versandschlachterei Meemken (seit 1934) der größte Arbeitgeber.

Gemeindereform

1974 wurde Gehlenberg im Zuge der Gemeindereform dann aus dem Landkreis Aschendorf-Hümmling (dem künftigen Landkreis Emsland) ausgegliedert und – zusammen mit Neuvrees – zur Stadt Friesoythe und damit auch zum Landkreis Cloppenburg geschlagen.

Aufgrund dieser damals nicht unumstrittenen Maßnahme wurde der Ort aus seiner angestammten politischen Verbindung mit dem Hümmling gelöst und die auf wirtschaftlichem und schulischem Gebiet bestehende Orientierung nach Friesoythe, das heißt in die oldenburgische Nachbarregion, auch administrativ besiegelt.

Wir wollen

Ihnen in unserer Serie „Das unbekannte Oldenburger Land“ bis zum 1. September in 23 Folgen Orte vorstellen, die vielen unbekannt sind, aber durchaus einen Besuch wert sind. Heute dreht sich alles um Elisabethfehn.

Der historische Teil

unserer Texte ist den Bänden des von der Oldenburgischen Landschaft in Auftrag gegebenen Oldenburgischen Ortslexikons (Hrsg. Prof. Dr. Albrecht Eckhardt) entnommen.

Elisabethfehn

erreicht man von Süden her über die Bundesstraße 401 bis zur Einmündung der Oldenburger Straße (Kreisstraße 145). Auf der Oldenburger Straße geht es weiter in Richtung Elisabethfehn, das man nach wenigen Kilometern erreicht.

Von Norden

her über die Autobahn 28 bis zur Abfahrt Filsum, dann auf der Bundesstraße 72 weiter in Richtung Cloppenburg bis zur Abfahrt Strücklingen, weiter in Richtung Barßel bis Elisabethfehn.

Wir wollen

Ihnen in unserer Serie „Das unbekannte Oldenburger Land“ bis zum 1. September in 23 Folgen Orte vorstellen, die vielen unbekannt sind, aber durchaus einen Besuch wert sind. Heute dreht sich alles um Gehlenberg.

Der historische Teil

unserer Texte ist den Bänden des von der Oldenburgischen Landschaft in Auftrag gegebenen Oldenburgischen Ortslexikons (Herausgeber Prof. Dr. Albrecht Eckhardt) entnommen.

Gehlenberg

erreicht man über die B 401. Aus Richtung Oldenburg kommend geht es einen Kilometer nach dem Kreuz B401/B72 links in die Hauptstraße. Nach rund drei Kilometern führt der Weg rechts auf die Neuscharreler Straße. Nach weiteren rund drei Kilometern muss man links auf die L 63 (Hauptstraße) biegen. Das Dorf erreicht man auch über die B72.

Aus Richtung Cloppenburg

kommend,folgt man am schnellsten der Bundesstraße bis zur 2. Abfahrt Friesoythe. Durch den Kreisel geht es auf der L 831 zunächst Richtung Markhausen. Nach 5,6 Kilometern muss man rechts auf die L 63 (Altenend) biegen und dem Straßenverlauf rund drei Kilometer folgen.
Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)
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