Wilhelmshaven - In Wilhelmshaven soll künftig die Menge der zweckentfremdeten „Gelben Säcke“ reduziert werden. Ab 1. Januar plant die Firma Nehlsen, die dann für die Entsorgung der Verpackungen mit dem Grünen Punkt zuständig ist, die Einführung eines Coupon-Systems bei der Ausgabe der gelben Sammelsäcke.
Das Verfahren stellte Ulrich Kinner, bei Nehlsen Leiter des Bereichs Verpackungsentsorgung/Duale Systeme in Bremen, dem Ausschuss Technische Betriebe Wilhelmshaven (TBW) vor. Nehlsen hatte die Ausschreibung des Dualen Systems Deutschland zur örtlichen Abfuhr der Gelben Säcke für die kommenden drei Jahre gewonnen und löst dabei die Firma Augustin ab.
Die Kampagne für das neue Verteilsystem hat Nehlsen unter das Motto „Gelb kommt an“ gestellt. Kernpunkt: Jeder Haushalt bekommt zum Jahresende vier Coupons für je eine Rolle mit zehn Abfallsäcken, also 40 Säcke, als „Grundausstattung“.
Steigender Verbrauch
Bei größerem Bedarf können weitere Coupons angefordert werden. Die Coupons sind an den bisherigen Ausgabestellen – derzeit knapp zwei Dutzend in Geschäften und Verwaltungsstellen – einzulösen.
Auslöser für die Änderung ist der steigende Verbrauch an Gelben Säcken. So habe man schon vor Jahren festgestellt, dass etwa in Bremen sehr viel mehr Säcke abgefordert wurden als in Hamburg (dort gibt es ein Abo-System). Der statistische Durchschnittsverbrauch beträgt eigentlich 28 der 90-Liter-Säcke mit je fünf Pfund Inhalt pro Haushalt pro Jahr, „tatsächlich ging aber das Zwei- bis Dreifache weg“.
Vor fünf Jahren führte Nehlsen daher das Coupon-System in Bremen ein. Mit deutlichem Erfolg, wie Kinner sagte: „In städtischen Gebieten ging der Verbrauch um 35 Prozent, in ländlichen sogar um 50 Prozent zurück.“ Dies, obwohl die Abgabe nicht limitiert ist. „Allein die kleine Hürde, nachzubestellen, macht es aus.“
Kinner weiß aus Erfahrung: Die Möglichkeiten der Nutzung eines Gelben Sacks scheinen nahezu unbegrenzt. „Manche decken ihre Rosen damit ab, und aus der Wesermarsch rief jemand bei uns an und beschwerte sich, weil die Säcke zu dünn geworden seien – sie rissen häufig ein, wenn er sie über seinen Fahrradsattel ziehe. . .“
Untersuchungen hätten ergeben, dass 30 bis 40 Prozent Restmüll im Gelben Sack landen, auf der anderen Seite 15 Prozent Grüne-Punkt-Verpackungen im Restmüll. Der Restmüllanteil im Gelben Sack habe durch das Coupon-System immerhin um 5 Prozent gesenkt werden können. Wo die Verpackungsabholung im Dualen System per Gelber Tonne erfolgt – in Wilhelmshaven sind und bleiben das einige Baugebiete mit überwiegendem Einfamilienhausbestand – gibt es natürlich keine Ausgabe von Gelben Säcken.
14-tägige Abfuhr
Die Stadt selbst hat finanziell mit dieser Entsorgung nichts zu tun; der Bürger bezahlt sie schon beim Einkauf der Waren mit dem Grünen Punkt. Die Kommune hat aber als Gebietskörperschaft Einfluss auf Art und Weise der Entsorgung. Und zwar über eine Abstimmungserklärung mit dem Gebietsbeauftragten im Dualen System, hier ein Interseroh-Unternehmen.
Um Komfort und Hygiene zu verbessern, habe die Stadt den Wechsel von der vierwöchigen auf die 14-tägige Abfuhr der Säcke gestellt, wie es in Friesland der Fall sei, sagte Umweltdezernent Stadtrat Dr. Jens Graul. Interseroh habe abgelehnt, die Abstimmungserklärung sei daher noch nicht unterschrieben. Graul: „Wir haben die Sache zur Entscheidung dem Umweltministerium vorgelegt.“
