Harkebrügge - Stühle bis zum Treppenhaus und ein voll besetztes Sitzungszimmer im Barßeler Rathaus: Viele Anwohner sowie Mitglieder der Bürgerinitiative Kammersand waren am Mittwoch zur Ratssitzung gekommen, um mehr über die zukünftige verkehrliche Erschließung des im Bau befindlichen Windparks Kammersand zu erfahren.
Es ging um den Antrag der Windpark Harkebrügge Planungsgesellschaft mbH zur Änderung der Verkehrsführung, um die Baustraßen Kammersand und Uhlenbergstraße herzustellen. Die Anwohner zeigten sich in der Einwohnerfragestunde sichtlich empört darüber, dass Laster nicht – wie vertraglich vereinbart – leer in Richtung Uhlenbergstraße/Erlenstraße auf dem Rückweg von der Baustelle fahren würden, sondern beladen.
An mehreren Tagen seien Baufahrzeuge im Minutentakt auf der Lohorster Straße vorbeigefahren, sagte ein Anwohner. „Schlimm war es, wenn sich Fahrzeuge begegneten.“ Hier haben die Anwohner besonders Bedenken, was die Sicherheit von Radfahrern und Kindern angeht, die die Wege nutzen. Ratsmitglied Waltraut Frerichs (BfB/Grüne) berichtete von fünf Schulkindern, die am Kammersand wohnen. Sie verwies auf die drei Wochen andauernden Beschwerden seitens der Anwohner und kritisierte das späte Eingreifen der Verwaltung. Es müsse wohl erst ein totes Kind geben, bevor etwas passiere, sagte sie. Auch das hohe Tempo und der damit verbundene Lärm wurden kritisiert.
So war zunächst vereinbart worden, dass die verkehrliche Erschließung und der Verkehr der Baufahrzeuge nach dem Erschließungskonzept des städtebaulichen Vertrages von der Kortemoorstraße (K 269), über Kammersand zur Baustelle erfolgen. Nur die Leerfahrzeuge fahren weiter in Richtung Erlenstraße über die Königsstraße zur Müggenbergstraße (L 832). Die Königsstraße befindet sich derzeit im Ausbau. In zwei Monaten könnten die Lkw fahren.
Auch technisch gesehen sei diese Regelung nicht möglich, teilte Bauamtsleiter Hans Schulte mit. Die Straßen seien sehr schmal. Es sei keine Begegnung der Fahrzeuge möglich und die Baustelle dadurch nicht befahrbar. Wenn beispielsweise auf den verdichteten Füllsand die Schotterschicht aufgetragen werde, könne darauf nicht gewendet werden, sonst entstünden Löcher und eine gleichmäßige Verdichtung der Schottertragschicht sei nicht mehr gegeben. Dies sei aber erst auf der Baustelle festgestellt worden, so Schulte. Man hatte zunächst den Gedanken, die Strecken zu entlasten.
Von einer bitteren Pille sprach SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Nüdling. Man habe sich auf die Fachmeinung und das Ingenieurbüro verlassen.
Manfred Lorentschat (Grüne) wandte zudem ein, dass seitens der Planungsgesellschaft nur Druck ausgeübt werde, weil ab dem 1. März verstärkte Naturschutzauflagen bestünden. Schulte erklärte jedoch, dass alle Einmündungen bereits im Bau seien und außerhalb der Brut- und Setzzeit erfolgten. Die baurechtliche Genehmigung der Zufahrten sei gegeben.
Wie der Rat nun entschied (zwölf Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen, sechs Enthaltungen), soll der Bauverkehr bis zur Fertigstellung der Königsstraße nun als Ausweichstrecke von der Kortemoorstraße über Kammersand, Erlenstraße, Uhlenbergstraße zur Müggenbergstraße geführt werden. Nach der Regelung können Lkw von oben und unten voll und leer fahren, so Schulte.
Die Regelung betreffe aber ausschließlich den Baustellenverkehr der Gemeindestraßen Uhlenbergstraße und Kammersand. Die Planungsbaugesellschaft verpflichtet sich weiter, alle Kosten für mögliche Schäden an der Uhlenbergstraße zu übernehmen. Zudem soll aufgrund eines SPD-Antrags eine Prüfung durch die Verkehrskommission angefragt werden, damit bei der Bauphase Tempo 30 im Baustellenbereich gilt.
